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Thomas Emmerich, Absolvent Multimediatechnik

Thomas Emmerich, Absolvent Multimediatechnik

Vom Schreibtisch-Informatiker zum Ingenieur

Herr Emmerich, Sie haben das Diplom-Studium in nur drei Jahren beendet. Wie kam es dazu?

„Gute Frage! Ich habe Angewandte Informatik mit der Vertiefung Medien ab dem Wintersemester 2002 an der TU Chemnitz studiert. Dort wurde ich aber nicht so richtig glücklich und wechselte nach drei Jahren zur FH Mittweida. Ich wollte weg von der theoretischen Universität und hinein in die Praxis ­­­–  vom trockenen Schreibtisch-Informatiker zum Ingenieur. Im Nachhinein die beste Entscheidung. Ich empfehle für Interessenten in der freien Wirtschaft nicht unbedingt ein technisches Studium an einer Universität. Zusammen mit meinen drei Kommilitonen, denen es genauso erging, gründeten wir eine WG direkt am Marktplatz.“

„Wir konnten nur wenig aus dem Uni-Studium an die Fachhochschule übernehmen. Aber mit unserem technischen Vorwissen waren die ersten Semesterprüfungen kein Problem. Wir haben teilweise drei Semester gleichzeitig und im Zwei- oder Drei-Tages-Takt die Prüfungen absolviert. Wir waren zu viert: Zwei gehen zu Veranstaltung X und zwei zur gleichzeitigen Veranstaltung Y, auch immer im Wechsel und durchmischt, danach wird ausgetauscht. Eigentlich waren wir mit den ersten sieben Semestern bereits nach zwei Jahren fertig, das Diplom hat dann wegen Wohnort- und zwischenzeitlichem Themenwechsel etwas länger gedauert, knapp zehn Monate statt vier oder sechs.“

Lösungsorientiert in die freie Wirtschaft

Wie haben Sie den Wechsel vom Studium in den Beruf erlebt?

„Sehr flüssig, das heißt, ich bin direkt nach der Diplomarbeit bei derselben Firma übernommen worden. Es war keine große Umstellung, ein wenig mehr Aufmerksamkeit beim Chef-Angestellten-Verhältnis (nicht mehr Student und Professor) und schon ist man drin.“

Heute arbeiten Sie bei der vwd Vereinigte Wirtschaftsdienste AG. Wie sind Sie auf diese Firma aufmerksam geworden?

„Ich habe mich nach neuen Berufsfeldern umgesehen und bin bei einem Onlineportal fündig geworden. Die Firma selbst kannte ich vorab nicht, was auch daran liegt, dass die Branche der Finanzinformationsdienstleistung recht komplex und unter wenigen Anbietern aufgeteilt sowie nicht öffentlichkeitswirksam ist. Wir sind hauptsächlich im Business-to-Business-Bereich unterwegs.“

Was war die erste Überraschung in Ihrem Job?

„Die Lösungsorientierung in der freien Wirtschaft: Standards und langwierige Planungen sind zwar qualitativ wertvoll, aber Kundenwünsche, der permanente Zeitmangel und die Wirtschaftlichkeit machen die Lösung wichtiger als den Prozess. Nicht, dass man das nicht vorher schon ahnt. Aber wenn man von der Hochschulbank abrückt, erkennt man den realen Unterschied. Ich wurde schnell auf Reisen geschickt und habe mit neuen Kollegen viel gelernt über Kulturen und internationale Zusammenarbeit.“

Worauf es im Job wirklich ankommt

„Am wichtigsten sind m.E. die sogenannten Soft Skills. Das erworbene technische Wissen dient als Grundlage, um Probleme grundlegend zu verstehen und zu analysieren. Da sich aber die Technik heute im Quartalsrhythmus ändert, sind erlernte Programmiersprachen, Verteilernetze etc. meist schon wieder obsolet. Wichtiger ist ein grundlegendes Verständnis von Zusammenhängen und somit die richtige Einschätzung von zukünftigen Entwicklungen. Kommunikation und Überzeugungskraft sind ebenfalls wichtig und entwickeln sich ebenso weiter. Das Wichtigste, was ich aus der Uni- und Fachhochschulzeit mitgenommen habe, ist die Fähigkeit des eigenständigen Lernens. Dazu zähle ich auch Eigenschaften wie komplexes Denken und Organisationsfähigkeit. Es funktioniert meist nicht, alles selbst zum gewünschten Ergebnis zu bringen. Das richtige Team und dessen Motivation sind von wesentlich größerer Bedeutung, um Technologien und Menschen zusammenzubringen.“

Wenn Sie in dem Sinne jetzt noch einmal auf Ihr Studium zurückblicken: Gibt es etwas, das Sie anders machen oder worauf Sie besonders achten würden?

„Meine Schwächen sind die mangelhafte Ausbildung in den Wirtschaftswissenschaften. Oft stoße ich in Budgetplanungen, Prognosen und Quartalsberichten an meine Grenzen. Ich würde daher vor allem die BWL-Komponenten mehr berücksichtigen. Man sollte sich neben Technik unbedingt mit Arbeitsrecht, BWL/VWL und Bilanzierung, Unternehmertum und Kommunikation beschäftigen. Wenn man nicht nur im Labor und am Schreibtisch sitzen möchte, kommen diese Themen unweigerlich auf einen zu.“

Wem würden Sie einen Job in Ihrer Branche empfehlen?

„Rein von der Technik her keinem klassischen Informatiker  –  oft sind viele Produkte strengen gesetzlichen Regularien (Finanzrecht, Aufsichtsbehörden etc.) unterlegen und entwickeln sich in diesen Branchen  nur langsam. Das heißt, moderne ‚coole‘ Software ist seltener gefragt, solide und bewährte Lösungen sind wichtiger, die Generation Apple und Flat Design sollte sich mehr in der Produkt- und Werbeindustrie umsehen.“

„Ein Thema ist Big Data – der Finanzmarkt wird immer mehr von unendlichen Milliarden Datenpunkten durchströmt. Smarte Lösung in Verbindung mit Serverfarmen und Datamining werden immer mehr gesucht. Hier findet der Daten- und Hardwarespezialist seine Spielwiese.“

„Wer sich allerdings für Wirtschaftsabläufe, Weltmärkte, globale Finanzsysteme und Politik interessiert, ist hier genau richtig. Man lernt, Produkte zu formen, Märkte zu beobachten, Zusammenhänge und Trends zu erkennen und unternehmerisch zu denken.“

Herr Emmerich, ich bedanke mich für das Gespräch und wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft.

Den Studiengang Multimediatechnik gibt es in dieser Form nicht mehr an der Hochschule Mittweida. Dafür könnt ihr Angewandte Informatik  in den Studienrichtungen Softwareentwicklung, Wirtschaftsinformatik oder IT-Sicherheit studieren.

Absolvent Frank Flemming lehrt an der Fakultät Soziale Arbeit.

Vor 13 Jahren studierte ich Soziale Arbeit an der Hochschule Mittweida. Damals war ich sehr froh über die praxisnahe Ausbildung, die mir im Job oft zu Gute kam. Seit fast sechs Jahren bin ich jetzt in der Sozialen Arbeit mit erwerbslosen Menschen in Dresden tätig. Ich leite eine Informations- und Kontaktstelle, berate dort Menschen rund um das Thema Arbeitslosigkeit und biete Räume zur Begegnung an.

Mein Wissen und meine Erfahrungen im Bereich des Sozialrechts sind durch meine Arbeit stetig gewachsen. In Gruppenarbeit mit Betroffenen und Fachvorträgen zum Sozialgesetzbuch II habe gemerkt, wieviel Spaß es mir macht, dieses Wissen weiterzugeben. Ich finde es wichtig, meine KollegInnen, aber auch Betroffene fortzubilden, denn nur mit dem richtigen Wissen lassen sich Ansprüche durchsetzen und Fehler in Bescheiden erkennen. Bald stand für mich fest, ich möchte mich nebenberuflich als Berater und Referent für Schulungen zum SGB II selbständig machen.

Praxisnahe Fallarbeit im Unterricht

Mein Schulungskonzept basiert bewusst auf Fällen, die ich entweder real erlebt oder selbst konstruiert habe. Seit dem Wintersemester 2013 bin ich auch Lehrbeauftragter im Modul „Recht II“ an der Fakultät Soziale Arbeit der Hochschule Mittweida. Das Modul müssen Studierende im direkten und berufsbegleitenden Bachelorstudium absolvieren.

Die Blockveranstaltung von vier Tagen wird durch viel Gruppenarbeit zwischen den Vorträgen aufgelockert. Wir beginnen mit den Grundlagen und schließen das Seminar mit der Berechnung des Arbeitslosengeldes 2 ab. Die StudentInnen dürfen sich dafür ihre Fälle selbst konstruieren. Jeder kann sich einen Haushalt mit fiktiven Personen ausdenken, die zusammen leben und Arbeitslosengeld beantragen wollen. Anfangs hat die Seminargruppe überrascht reagiert, aber bald fanden alle Gefallen daran.

Ziel erreicht

An Fallarbeiten erklärt der Dozent das komplizierte Thema anschaulich.

An Fallarbeiten erklärt der Dozent das komplizierte Thema anschaulich.

In den Seminaren erlebe ich die StudentInnen als sehr interessiert und aufgeschlossen. Viele arbeiten gern in Gruppen an den Übungsaufgaben und Fällen. Ich freue mich über ihre Rückmeldungen, wenn ihnen

das Seminar gefallen hat, weil es lebendig und nicht so trocken war. Am Ende können die StudentInnen Bedarfsrechnungen ausführen und das Arbeitslosengeld 2 von verschiedenen Bedarfsgemeinschaften überprüfen. Der Weg dorthin ist sehr aufwendig und anstrengend.

Meine aktuelle Seminargruppe im Sommersemester hat so richtig mitgefiebert. Während ich ihnen die Einkommensanrechnung erklärte, qualmten die Köpfe. Als ich dann fragte, ob das für Sie verständlich war, brach die Gruppe plötzlich in lauten Jubel aus. Da wusste ich, jetzt haben sie es.

Auch die im Durchschnitt guten Prüfungsergebnisse sind ein Zeichen dafür, dass die Grundlagen zum SGB II verstanden wurden und die Kenntnisse nun im Praxissemester angewendet werden können. Am Ende kommt meine Arbeit damit wieder den Betroffenen zu Gute, die Hilfe benötigen.

Reik Steinert, Absolvent Physikalische Technik, Studienrichtung Lasertechnik

Reik Steinert, Absolvent Physikalische Technik, Studienrichtung Lasertechnik

Der Wahlschwede Reik Steinert ist ein schönes Beispiel dafür, dass man sich auch im Studium nochmal neu orientieren kann. Nach dem Abitur absolvierte er seinen Zivildienst beim Krankentransport und Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes. Dadurch wurde ihm auch klar, in welche Richtung er sich entwickeln möchte: „Ich interessierte mich sehr für Medizintechnik. Deshalb und wegen der Nähe zu meinem Heimatort Rochlitz wollte ich in Mittweida Physikalische Technik  mit der Vertiefungsrichtung Medizintechnik studieren“, erinnert er sich. Doch nach dem Grundstudium lag sein Hauptaugenmerk nicht mehr auf der Medizintechnik. Der junge Mann wurde während des Studiums von der Lasertechnik begeistert, heute einem der größten Forschungsbereiche der Hochschule Mittweida.

Nachdem die neue Richtung klar war, ging es rasant weiter. Reik Steinert erinnert sich: „Ich wollte mein Praktikum im Ausland absolvieren.“ Gesagt – getan! Allerdings fehlten ihm spezielle Fremdsprachenkenntnisse: „Ich hatte keine großen Erfahrungen, daher blieb mir nur ein Land, in dem ich mit Englisch klar kam.“ So landete der Mittelsachse bei Permanova Lasersystem AB im schwedischen Mölndal südlich von Göteborg.  „Bei derselben Firma habe ich meine Diplomarbeit geschrieben und nach dem Studium angefangen zu arbeiten. Heute bin ich immer noch dabei“, resümiert der Techniker und fühlt sich wohl in seinem Job.

Europa und der Rest der Welt

Der Projektingenieur arbeitet eng mit der Konstruktionsabteilung bei Permanova zusammen: „Wenn wir ein Projekt haben, bin ich die erste Zeit in die Planung und den Einkauf der Komponenten einer Anlage involviert. Zusammen mit unseren Konstrukteuren für Mechanik und Elektrotechnik finden wir Lösungen für die Probleme unserer Kunden. Später arbeite ich relativ viel allein. Programmierung und Inbetriebnahme sind dann meine Aufgaben.“ Der Kundenstamm kommt dabei aus der gesamten Welt. Ob Europa, China oder Afrika – Reik Steinert hat schon einiges gesehen. „Dabei versuche ich jedoch nicht länger als zwei Wochen am Stück unterwegs zu sein. Ist der Kunde in der Nähe von Göteborg, kann man pendeln, sonst wohnen wir im Hotel“, sagt der Wahlschwede.

Besonders gefällt Steinert die schwedische Mentalität und die Atmosphäre innerhalb des Unternehmens: „Es ist sehr locker, da das Chef-Angestellten-‚Gefälle‘ in Schweden nicht so ausgeprägt ist wie in Deutschland. Wenn ich ein Problem habe oder mir etwas nicht gefällt, kann ich es einfach sagen.“ Außerdem sei alles ein wenig relaxter als in Deutschland. „Man ist nicht nur auf Gewinn aus, sondern auch auf die Zufriedenheit des Kunden“, meint Steinert und findet doch einen Wermutstropfen: „Etwas störend sind manchmal die vielen Meetings. In Schweden will man es allen recht machen und das resultiert in vielen Meetings.“

Reik Steinert hat seinen Weg gefunden und ein weiterer Umschwung ist (vorerst) nicht geplant – maximal ein Aufstieg. „Mal sehen, vielleicht Projektleiter oder mehr in Richtung Entwicklung. Aber da lasse ich mich überraschen.“ Das ist eben alles etwas relaxter in Schweden.

Stefanie Jahn, Absolventin Biotechnologie

Stefanie Jahn, Absolventin Umwelttechnik/ Biotechnologie

„Als Abiturientin mit den Hauptfächern Mathematik und Biologie habe ich einen Studiengang gesucht, der beides miteinander verbindet. Des Weiteren wollte ich unbedingt einen Ingenieurstudiengang absolvieren und gern in der Nähe meines Heimatortes Hartha im Landkreis Mittelsachsen bleiben, da hier meine Familie und Freunde sind.“

Mit Praxis und Theorie zum maximalen Lernerfolg

„Das Studium der Biotechnologie war sehr entspannt. Man hatte einen Plan, dem man folgen konnte, und wusste schon im ersten Semester, was die darauffolgenden Semester mit sich bringen. Es war kein Einschreiben auf Wartelisten notwendig, wie man es teilweise bei Universitäten kennt.  Ebenfalls sehr entspannt und erfüllbar waren die Prüfungen. Es gab nichts, was unklar war. Ich wusste, was ich für Bedingungen erfüllen muss, schrieb mich in die Prüfungsliste ein und musste nur noch pünktlich zum Prüfungstermin erscheinen. Und auch die Möglichkeit der Wiederholungsprüfungen war in Ordnung – manchmal schon im folgenden Semester.“

„Richtig familienfreundlich zeigte sich die Hochschule Mittweida, als ich im 6. Semester kurz vor den Prüfungen meinen Sohn zur Welt gebracht habe. Ich bekam in einer Prüfung sogar einen extra Nachholtermin, damit ich nicht ein ganzes Jahr auf die Wiederholungsprüfung warten musste. Auch die Vorlesungszeiten waren super, so dass Sohnemann in den Kindergarten gehen konnte während ich studieren war. Bei Praxis-Terminen wurde auf mich Rücksicht genommen. Das war wirklich sehr entspannt.“

„Während der Studienzeit hatten wir einen guten Mix aus Praxis und Theorie, aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann mag ich die Praxis mehr. In allen Studienfächern wurden Beispiele aus der Realität abgeleitet und immer wieder aufgezeigt, wozu man sie braucht. Ich denke da nur an Werkstofftechnik, Biotechnologie, Sensorik, Bioverfahrenstechnik und und und… Immer wieder gab es Praktika in allen möglichen Fächern. Das hat mir sehr geholfen, auch komplexe Themen zu verstehen, fachübergreifend.“

„Insgesamt bin ich mit dem Studium sehr zufrieden und habe genau das richtige für mich gefunden. Mittweida ist nach wie vor der Ort meines Studiums. Darüber hinaus sind wichtige Freundschaften entstanden, die in Mittweida zu Hause sind. Über meine Arbeit als Entwicklungsingenieurin bei Endress + Hauser Conducta im Bereich der Sensorik-Entwicklung habe ich nach wie vor einen engen und wichtigen Kontakt zur Fachgruppe Biotechnologie an der Hochschule Mittweida.“

Vom Studium direkt in den Traumjob

„Ich hatte den perfekten Berufseinstieg. Über das Studium habe ich meinen späteren Arbeitgeber bereits kennengelernt. Nach ein paar Monaten als Werksstudent in der Firma habe ich dann dort meine Diplomarbeit geschrieben und im Anschluss eine Anstellung bekommen. Besser kann man es sich nicht wünschen. Seitdem arbeite ich in meiner Firma als Entwicklungsingenieurin.“

„Jetzt bin ich im Bereich der Sensorentwicklung tätig. Dabei geht es darum, neue Wege zu finden Wasser und Abwasser zu analysieren, aber auch chemische Prozesse in der Industrie mit Sensoren zu überwachen. Ich stehe im Labor und untersuche verschiedene Methoden, werte diese am Rechner aus und verbessere immer weiter, bis ein fertiger Sensor entsteht, der den Anforderungen des Kunden entspricht. Als zweites Aufgabenfeld betreue ich die Reagenzienpflege in der Firma, d.h. ich erstelle Sicherheitsdatenblätter für die Reagenzien, die an Kunden verschickt werden, sorge für die korrekte Etikettierung und ändere auch Rezepturen, wenn es zu Kundenbeschwerden kommt (was zum Glück bisher nur einmal passiert ist). Eine wichtige Aufgabe ist auch der korrekte weltweite Versand unserer Chemikalien und damit muss ich das Chemikalienrecht in anderen Ländern vor allem USA und China kennen. Alles ist sehr interessant, es wird nie langweilig.“

Mein heutiger Arbeitstag

„Ich beginne wie immer mit dem Abarbeiten meiner E-Mails und werte die Messergebnisse der letzten Nacht aus. Dabei klingelt ab und zu das Telefon und fordert meine Aufmerksamkeit, vor allem wenn der Service anruft und eine schnelle Lösung für einen Kunden gefordert wird. Am frühen Nachmittag haben wir eine Projektbesprechung, bei der jeder seine Ergebnisse der letzten Wochen präsentiert und über neue Vorgehensweisen diskutiert wird. Kurz vor Feierabend nochmal Laborarbeit, Sensoren anschließen und Reagenzien auffüllen, damit wieder über die Nacht gemessen werden kann und ich neue Werte für morgen habe.“

Mit ihrer beruflichen Entwicklung ist Stefanie Jahn sehr zufrieden: „Ich bin definitiv dort, wo ich mit dem Studium hin wollte! Ich bin Diplomingenieurin in einer wachsenden Firma, ich arbeite selbstständig und man vertraut meinen Ergebnissen. Meine Arbeit ist spannend und ich lerne nie aus. Ich konnte mir bereits Fachkompetenz erarbeiten und bin für viele Fragen eine Ansprechpartnerin. Ich habe ein gutes Gehalt und es macht jeden Tag aufs Neue Spaß, auf Arbeit zu gehen.“

Andreas Finsterbusch, Absolvent Maschinenbau

Andreas Finsterbusch, Absolvent Maschinenbau

Der Förderkreis Hochschule Mittweida e.V. zeichnete Andreas Finsterbusch 2012 für seine Masterarbeit „Untersuchung von akustischen Grenzflächen mittels Ultraschall-Phased Array-Technik, zur Validierung der Fehlerdetektierbarkeit in Kohlenstofffaser-Verbundstrukturen“ mit dem Carl‑Georg‑Weitzel‑Preis aus. Nach seiner Abschlussarbeit schaffte er den Wechsel in die Wirtschaft über ein Trainee-Programm bei einem international agierenden Stahlproduzenten, der Ilsenburger Grobblech GmbH, einer Tochtergesellschaft der Salzgitter AG.

Warum haben Sie sich für den Studiengang Maschinenbau entschieden?

„In meiner Schulzeit richteten sich meine Interessen besonders auf Themenfelder im technisch‑naturwissenschaftlichen Bereich. Daher entschied ich mich nach meinem Realschulabschluss für ein technisches Fachabitur. Neben dem theoretischen Unterricht sah der Lehrplan ein sechsmonatiges fachrichtungsbezogenes Praktikum in einem selbstgewählten Unternehmen vor. In dieser Zeit kam ich mit der Fertigungs-, Montage- und Konstruktionsabteilung der Maschinenbaufirma, sowie erstmals mit dem Werkstoff Stahl in Berührung. Dieses Praktikum gab letztlich den Ausschlag für meine Entscheidung ein ingenieurwissenschaftliches Studium in Angriff zu nehmen.“

Warum haben Sie in Mittweida studiert?

„Mit dem Fachabitur in der Tasche suchte ich ein Studium mit technischem Hintergrund, welches eine praktische Ausbildung mit theoretischem Wissen zu gleichen Anteilen kombinierte. Zusätzlich wurde ich zum Tag der offenen Hochschultür auf die ‚kurzen Wege‘ zwischen den Gebäuden und Einrichtungen, als auch auf den ‚direkten Draht‘ zu den wissenschaftlichen Mitarbeitern, Professoren und Kommilitonen aufmerksam. Das machte mir meine Entscheidung, in Mittweida zu studieren, umso leichter.“

Was zeichnet das Maschinenbaustudium an der Hochschule Mittweida aus?

„Es ist eine praxisnahe Ausbildung. Die Gliederung in drei Studienschwerpunkte vermittelt einen guten Einblick in das spätere Arbeitsfeld. Die Wahlmöglichkeiten lassen einen, je nach Interessenlage, das Studium gestalten, geben aber gleichzeitig einen Leitfaden zum Studienablauf an die Hand.“

„Ein weiterer Unterschied ist der familiäre Charakter an der HSMW. Den Professoren und Mitarbeitern ist man namentlich bekannt, da die Lehrveranstaltungen vom Professor selbst geführt werden. Durch die geringe Größe der Seminargruppen ist eine individuelle Förderung und das Eingehen auf Fragestellungen stets machbar. Schließlich habe ich auch nach dem Studium, als Absolvent, gute Kontakte zu Professoren und Mitarbeitern der Fakultät Maschinenbau. Diese Bindung zur Fakultät wird während des Studiums u.a. durch jährliche, selbstorganisierte Fakultätsfeste, das Campusfestival oder die Nacht der Wissenschaften gestärkt.“

Welche vor dem Studium erworbenen Qualifikationen haben sich für Sie als nützlich erwiesen?

„Zum einen sollte ein technisches, mathematisches und physikalisches Grundverständnis vorhanden sein. Sicherlich können individuelle Schwächen durch Selbststudium oder mit Hilfe von Kommilitonen (denn man ist ja kein Einzelkämpfer!) ausgeglichen werden. Zum anderen haben mir Praktika bzw. Ferienjobs in verschiedenen Unternehmen weitergeholfen. Nicht nur um das erworbene Wissen in die Praxis umzusetzen, sondern auch um die Vielseitigkeit der Maschinenbaubranche kennen zu lernen.“

Wo arbeiten Sie und wie sieht Ihre Arbeit aus?

Walzgerüst der Ilsenburger Grobblech GmbH

Walzgerüst der Ilsenburger Grobblech GmbH

„Nach Beendigung meines Masterstudiums erfuhr ich, dass eine Stelle als Entwicklungsingenieur im Qualitätswesen bei der Ilsenburger Grobblech GmbH, welche zur Salzgitter AG gehört, zu besetzen ist. Den ersten Kontakt mit diesem Unternehmen hatte ich bereits im Jahr 2008 im Rahmen einer durch die Hochschule organisierten Exkursion. Schon damals war ich von den Dimensionen der eingesetzten Anlagentechnik, wie dem Quartowalzgerüst mit einer Walzkraft von 8000 Tonnen, beeindruckt. Seit Oktober 2012 arbeite ich im Walzwerk der Ilsenburger Grobblech GmbH in der Abteilung ‚Erzeugnisentwicklung und Technologie im Bereich Qualitätswesen‘.“

„Als Trainee erhalte ich durch den Besuch unterschiedlicher Seminare und Exkursionen zum Kennenlernen des Konzerns spannende Informationen. Hierbei geben einem die Kollegen wissenswerte und interessante Einblicke in ihren Abteilungsbereich, wie dem Erzlager, Hochofen, Konverter, den Stranggießanlagen oder den Walzstraßen des Stahlwerkes. Weiteres hilfreiches Wissen wurde mir durch einen betriebsinternen Abteilungsdurchlauf mit dem Verkauf, der Produktionsplanung, Grobblechfertigung und Qualitätssicherung vermittelt. Nebenbei lernt man andere Trainees aus unterschiedlichen Abteilungen und anderen Standorten des Konzerns kennen und knüpft Kontakte.“

„Zu meinem jetzigen Aufgabenbereich zählt die Verfahrens- und Datenanalyse des Walzprozesses hinsichtlich der geforderten Eigenschaften des gewalzten Grobbleches. Im Zuge dieser Untersuchungen führe ich zudem werkstofftechnische Prüfungen, wie Stirnabschreck- und Härteversuche, an Probenkörpern durch und bin zusätzlich in Besprechungen der unterschiedlichen projektorientierten Entwicklungsteams eingebunden.“

„Was ich Ihnen empfehlen würde:

  • Finden Sie frühzeitig ihre Interessensschwerpunkte im Studium heraus und vertiefen Sie diese.
  • Nutzen Sie die Semesterferien für Praktika in unterschiedlichen Unternehmen und Branchen Ihres Studienfaches.
  • Bilden Sie während des Studiums innerhalb der Seminargruppe, Fakultäten, Hochschule und Unternehmen Netzwerke.
  • Bleiben Sie stets neugierig und bilden Sie sich lebenslang weiter.“
Peter Großöhme, Absolvent Informatik

Peter Großöhme, Absolvent Informatik

Herr Großöhme, warum haben Sie sich damals für ein Informatikstudium in Mittweida entschieden?

„Während meiner IT-Berufsausbildung hatte ich einige Lehrer, die bereits in Mittweida studiert und mir ein Informatik-Studium empfohlen haben. Zum anderen arbeitet ein ehemaliger Schulfreund meines Vaters als Professor in der Fakultät EIT. Mit ihm konnte ich mich zuvor noch einmal ausführlich unterhalten. Weiterhin genießt die Hochschule Mittweida schon über viele Jahre hinweg einen sehr guten Ruf mit entsprechend langjähriger Tradition im ingenieurwissenschaftlichen Bereich. Beim Tag der offenen Hochschultür hat mich insbesondere die familiäre Atmosphäre und der überschaubare Campus überzeugt. Die Entscheidung in Mittweida zu studieren war genau richtig und ich hätte zu diesem Zeitpunkt keine bessere treffen können.“

Haben Sie bereits neben ihrem Studium Praktika oder andere praktische Erfahrungen sammeln können?

„Informatik wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Das habe ich besonders meinem Vater zu verdanken, der mein Interesse auf diesem Gebiet rechtzeitig erkannte und mich bereits im frühen Alter mit PC-Technik versorgte. Das war zu dieser Zeit gar nicht so einfach und vor allem sehr teuer. Ich erinnere mich noch an meinen ersten Desktop-PC, ein Intel 286er mit zehn MHz und S/W-Bildschirm sowie MS-DOS 5.0 als Betriebssystem – das dürfte etwa im Jahr 1990 gewesen sein. Später war ich dann zur Berufsausbildung einen Monat über einen IT-Dienstleister zum Praktikum im IT-Support beim Landratsamt Mittlerer Erzgebirgskreis vor Ort. Fast zeitgleich habe ich im Jahre 2004 mein eigenes IT-Unternehmen gegründet. Tätigkeitsschwerpunkte sind noch heute IT-Administration für Datacenter, Computertechnik, Netzwerk- und Kommunikationstechnik sowie Schulung, Training, Aus- und Weiterbildung. Damit war letztendlich die Basis für ein Studium geschaffen und als positiver Nebeneffekt auch ein guter Nebenverdienst. Selbstverständlich hatte das Studium vor sämtlichen Tätigkeiten Vorrang und stand voll im Fokus. Während meines Studiums habe ich 2008 ein sechsmonatiges Praktikum bei der MEGWARE Computer GmbH absolviert, für die ich auch heute arbeite.“

Wie haben Sie die Wohnsituation in Mittweida empfunden? Wo haben Sie während des Studiums gewohnt?

„Während meiner Studienzeit habe ich unter der Woche auf der Bahnhofstraße in einer WG bei einem Privatvermieter gewohnt. Das Haus hat vier Etagen und auf jeder Etage wohnten maximal sechs Studenten, die sich Küche und Bad teilten. Das hat besser funktioniert, als ich mir das anfangs vorgestellt habe. Allerdings hatte ich auch meistens sehr nette MitbewohnerInnen, zu denen ich teilweise heute noch Kontakt pflege.“

„Ein weiterer Vorteil war, dass sämtliche Zimmer möbliert und auch Kücheneinrichtung etc. bereits vorhanden waren – dadurch musste man keine größeren finanziellen Ausgaben zu Studienbeginn tätigen. Für den Zusammenhalt der Bewohner des gesamten Hauses hat der Vermieter ab und zu Events (z.B. Frühjahrsputz mit anschließendem Grillen oder eine Glühweinfete zum Nikolaus in der Weihnachtszeit) organisiert. Zum Schluss möchte ich noch anfügen, dass es kein Problem war eine bezahlbare Wohnung in Mittweida zu finden und das, obwohl ich sehr spät dran war. Erst hatte ich geplant jeden Tag von meinem Wohnort nach Mittweida und zurück zu fahren (ca. 80 km Wegstrecke), was jedoch auf Dauer sehr stressig geworden wäre und man außerdem das Beste vom Studentenleben verpasst hätte.“

Wie haben Sie die Studienbedingungen empfunden?

„Die Bedingungen in Mittweida waren sehr gut – insbesondere die technischen Geräte, waren in ausreichender Stückzahl vorhanden, so dass jeder individuell arbeiten konnte. Jeder Student hatte z.B. in den Praktika seinen eigenen Arbeitsplatz, was die Voraussetzung für optimale Lernbedingungen ist. Sämtliche Vorlesungssäle, Seminar- und Praktikumsräume waren den Studienfächern entsprechend sehr gut ausgestattet.“

Grossohme_Peter_1Wie haben Sie das Verhältnis zwischen Studenten und Professoren erlebt?

„Das Verhältnis war nicht anonym, sondern sehr familiär. In Mittweida ist man nicht nur eine Matrikelnummer auf dem Papier, sondern die Professoren haben sich sogar nach kurzer Dauer die Namen gemerkt. Das hat mich während des gesamten Studiums zu Höchstleistungen angespornt. Sämtliche Professoren haben sich für die Belange der Studenten interessiert und dies auch bei entsprechend kooperativer Zusammenarbeit honoriert. Die Professoren waren über die gesamte Studienzeit hinweg sehr gut in sämtlichen Fällen (Fragen, Probleme, Hilfestellungen etc.) erreichbar – meist genügte ein kurzer Besuch im Büro. Auch heute noch pflege ich persönlichen Kontakt zu einigen Professoren und freue mich von Zeit zu Zeit immer einmal wieder in Mittweida vorbeizuschauen.“

Wie war der Wechsel vom Studium in die Berufspraxis für Sie?

„Der Wechsel vom Studium in den Beruf war für mich nichts Besonderes, da ich bereits im Vorab viel praktische Erfahrung sammeln konnte. Bevor ich zu meinem derzeitigen Arbeitgeber gewechselt bin, habe ich nach der Studienzeit rund ein Jahr als Dozent / Trainer im Bereich der Fachinformatiker-Ausbildung (Systemintegration / Anwendungsentwicklung)bei einem Bildungsträger in Chemnitz gearbeitet. Rückblickend kann ich sagen, dass dies ein sehr lehrreiches Jahr als Dozent in jeder Hinsicht war. Danach habe ich relativ überraschend ein Angebot der MEGWARE Computer GmbH erhalten. Darüber musste ich erst einmal nachdenken. Zu Beginn 2011 hieß es dann: ‚Neues Jahr – neues Glück.‘ Zunächst habe ich als Freelancer für MEGWARE gearbeitet, was dann jedoch bereits im Juli 2011 in ein festes Arbeitsverhältnis überging.“

Was war die erste Überraschung in Ihrem Job?

„MEGWARE hat fast zeitgleich mit meinem Arbeitsbeginn die Ausschreibung für den schnellsten Supercomputer Österreichs gewonnen. Ein Projekt mit einem Gesamtumfang von rund fünf Millionen Euro und das bisher Größte überhaupt in der gesamten Firmengeschichte. Die geplante Realisierung verschob sich ein wenig nach hinten, so dass zu diesem Zeitpunkt der dafür eingeplante HPC-Ingenieur bereits seinen geplanten Urlaub antrat. Da alle weiteren Kollegen mit anderen Kundenprojekten beschäftigt waren, wurde ich vom Projektmanager für die Inbetriebnahme vor Ort ausgewählt. Mit dem Aufbauteam in Wien war ich somit für die softwareseitige Inbetriebnahme des Vienna Scientific Clusters 2 zuständig. Die größte Herausforderung dabei war jedoch das Clustersystem in die TOP500 zu bekommen – eine Liste der weltweit schnellsten 500 Computer, die jährlich jeweils im Juni zur International Supercomputing Conference und November zur SC erscheint. Das Verfahren ist relativ kompliziert. Im Grunde wird mit einem Testprogramm die Leistung des Rechners festgestellt. Letztendlich ist man unheimlich glücklich und stolz darauf, sobald das erste akzeptable Resultat erreicht ist. Nach den dreiwöchigen LINPACK-Läufen folgte die weitere softwaretechnische Inbetriebnahme. Dabei hatte ich sogar Gelegenheit die Stadt am Wochenende einmal genauer anzuschauen – diesen Luxus hat man auf vielen Dienstreisen nicht sehr oft.“

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

„Wie bereits beschrieben ist mein Arbeitsalltag sehr abwechslungsreich – das mag ich besonders an meinem Job. Im Normalfall findet man mich aber im Büro in Chemnitz-Röhrsdorf. Von der Firmenzentrale aus bearbeiten wir sämtliche Projekte und leisten auch Remote Support für unsere Kunden im Problemfall. Damit es jedoch nicht langweilig wird, bin ich auch zeitweise unterwegs – zum einen nehme ich die installierten Clustersysteme beim Kunden direkt vor Ort in Betrieb und passe noch verschiedene Dinge an die Betriebsumgebung des jeweiligen Kunden an. Zum anderen habe ich eine Vielzahl von Außenterminen, bei dem ich unseren Vertrieb in technischer Hinsicht unterstützte – also eine Art technische Repräsentanz. Abgerundet wird dies durch Messen, Konferenzen und Schulungen – im November letzten Jahres hatte ich z. B. die Gelegenheit an der SuperComputing Conference in Salt Lake City teilzunehmen, da wir dort mit einem eigenen Messestand vertreten waren.“

Woran arbeiten Sie gerade?Grossoehme_Peter_2

Der High-Performance-Computing Cluster btrzx3 wurde Ende April 2013 an der Universität Bayreuth installiert. Dieser umfasst 426 Compute Nodes bestehend aus 10.224 AMD Opteron 6348 Prozessorkernen mit einer Taktfrequenz von jeweils 2.8 GHz pro Core. Der neue Hochleistungsrechner wurde am 4. Juli 2013 mit einem feierlichen Festakt durch den bayerischen Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Dr. Wolfgang Heubisch, offiziell in Betrieb genommen. Das System hat eine theoretische Spitzenleistung von mehr als 114 TeraFLOPS – mit einer LINPACK-Leistung von 97,6 TeraFLOPS (das entspricht 97,6 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde) gehört der HPC-Cluster aktuell zu den leistungsfähigsten Rechnern der Welt und erreicht damit Platz 486 in der TOP500-Liste, die am 17. Juni 2013 zur International Supercomputing Conference in Leipzig erschienen ist. Während meiner zweijährigen Berufstätigkeit bei MEGWARE ist dies bereits der dritte AMD basierende HPC Cluster, den ich erfolgreich in der TOP500 platzieren konnte.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Großöhme. Wir wünschen Ihnen auch weiterhin viel Erfolg.

Hans-Christoph Dziolloß, Absolvent Elektrotechnik

Hans-Christoph Dziolloß, Absolvent Elektrotechnik

„Als erstes eine Anmerkung: Meinen ersten Kontakt mit der Ingenieurschule hatte ich im August 1946. Ich war sieben Jahre alt. Wir waren aus unserer Heimat Schlesien vertrieben worden und gelangten nach einigen Zwischenlagern in den Lichthof vom Hauptgebäude. Dort wurden wir dann auf die Städte und Dörfer des Erzgebirges verteilt.“

13 Jahre später kehrte Hans-Christoph Dziolloß nach Mittweida zurück: „Während der Oberschulzeit (Gymnasium) schwankte ich noch zwischen einem Studium der Chemie oder der Elektrotechnik. Ein Mitschüler überredete mich dann zur Elektrotechnik. Wir beschlossen, uns an der Fachschule für Elektrotechnik Mittweida zu bewerben, da sie unserem Heimatort am nächsten lag und Abiturienten aufgenommen wurden. Wir erhielten eine Absage. Der Grund: An der Schule durften neuerdings nur noch Studenten aufgenommen werden, die eine praktische Ausbildung oder ihren Wehrdienst abgeleistet hatten. Ich erlernte daraufhin den Beruf eines Elektromechanikers im Messgerätewerk Zwönitz – mein Mitschüler ging zur Armee. Von diesem Betrieb wurde ich nach zwei Jahren Lehre zur Ingenieurschule delegiert. Am 06.07.1959 wurde ich zu einem Aufnahmegespräch geladen und erhielt dann am 27.07. die Zulassung zum Studium.“

Schulfunk vom Haus 1 in alle Hörsäle

„An nennenswerte Ereignisse während des Studiums kann ich mich nicht erinnern. Es lief eigentlich alles seinen normalen Gang. Hervorhebenswerte Probleme gab es keine, da auch viele Studierende mit einem Abschluss nach der achten Klasse und Berufsausbildung aufgenommen wurden. Nach jedem Studienjahr mussten die, die noch keinen Armeedienst abgeleistet hatten, für vier Wochen zum Reservistendienst.“

„Spaß gemacht hat vor allem meine Arbeit im Schulfunk. Die Schule besaß damals noch ein kleines Studio im Hauptgebäude mit Lautsprechern in allen Hörsälen. Wir haben hier regelmäßig Sendungen mit schulischen Nachrichten, Informationssendungen zu Theaterbesuchen (es fuhr fast monatlich ein Sonderzug für die Schule nach Karl-Marx-Stadt) u.v.m. produziert und in die Hörsäle übertragen. Besondere Freude bereitete mir die jährlich produzierte ‚Kiste‘. Hier wurden die im Jahr gesammelten Anekdoten, witzige Aussprüche von Dozenten und Studenten und andere erheiternde Ereignisse aufbereitet und zu einer Sendung zusammengestellt. Nicht immer kam das bei allen Dozenten gut an. Da auch bei mir das Geld knapp war, habe ich nach Schulschluss häufig auch beim Stadtfunk im Rathaus gearbeitet.“

„Mich verbindet heute noch viel mit Mittweida, da es schöne Jahre waren, an die ich mich gern erinnere. Das Studium hat gute fachliche Voraussetzungen für den Einstieg in das Berufsleben geschaffen. Ich habe neben meiner Tätigkeit noch 20 Jahre als nebenamtlicher Fachschullehrer Ingenieure an der Außenstelle anfangs der Ingenieurschule Mittweida, später der Ingenieurschule Eisleben, unterrichtet und konnte dabei viel auf meine Studienunterlagen zurückgreifen.“

„Mein Rat: Niemals aufgeben – es findet sich immer eine Lösung.“Dziolloss_2

„Mein Übergang vom Studium zur Praxis war sehr spannend. Es war die Zeit des gerade aufkommenden industriellen Einsatzes von Halbleitern in der DDR. Hier lagen bisher nur wenige Erfahrungen vor. Ich begann meine Tätigkeit als Entwicklungsingenieur im Fernsehgerätewerk Staßfurt.  In den 33 Jahren konnte ich aktiv an der Entwicklung von 13 Generationen von Fernsehgeräten mitarbeiten. 1965 konnte bereits der erste volltransistorisierte Kofferfernsehempfänger entwickelt und auf der Leipziger Messe ausgestellt werden. Die Arbeit bedeutete auch eine hohe Verantwortung jedes Mitarbeiters, da das Fernsehgerätewerk Staßfurt ab 1968 alleiniger Hersteller von Fernsehgeräten in der DDR war und die Produktionsstückzahl sich von 1962 bis 1989 von ca. 120 000 auf ca. 500 000 erhöhte. Näheres dazu ist einer Chronik zu entnehmen, die von den ‚Freunden der Staßfurter Rundfunk- und Fernsehtechnik e.V.‘ in diesem Jahr herausgegeben wird. Ich begann, wie schon geschrieben, 1962 als Entwicklungsingenieur, wurde 1980 Abteilungsleiter in der elektrischen Entwicklung und übernahm 1992 den Gesamtbereich elektrische Entwicklung – das letzte allerdings mit einem Wermutstropfen. Ich musste den Bereich von 50 auf 25 Mitarbeiter reduzieren, was mir verständlicherweise einige schlaflose Nächte bereitete.“

Rückblickend glaubt Hans-Christoph Dziolloß jedoch nicht, dass er heute etwas anders machen würde: „Mein Rat ist, bei Problemen trotz einiger Rückschläge nie aufzugeben. Sprecht mit Kollegen über die Schwierigkeiten. Es findet sich immer eine Lösung, auch wenn man gegebenenfalls von vorn beginnen muss.“

Dr. Rico Böhme, Absolvent Physikalische Technik

Dr. Rico Böhme, Absolvent Physikalische Technik

Dass Rico Böhme studieren wollte, wusste er bereits während seiner Zeit am Gymnasium Rochlitz: „Die Frage war im Prinzip nur: ‚Was?‘. Anderweitige Bewerbungen z.B. für kaufmännische Berufsausbildungen führte ich eher halbherzig und nur zur Beruhigung meiner Eltern durch. Auf dem Gymnasium war ich dank der damals geltenden Regelungen nicht gezwungen, mich entweder naturwissenschaftlich oder sprachlich festlegen zu müssen. Diese Entscheidung war dann erst bei der Wahl meiner Leistungskurse notwendig: Ich entschied mich für Physik und Geschichte. Die Interessen waren aber zum Ende der Schulzeit deutlich zu Gunsten der Physik und der Naturwissenschaften hin verschoben. Für ein Studium hatte ich mir daher nach Ende der Schulzeit drei Rahmenbedingungen gesetzt: Es musste etwas mit Physik zu tun haben, es durfte nicht zu theoretisch sein und es sollte in vernünftiger Nähe zu meinem Heimatort Rochlitz sein. Gerade das sowie die während der Tage der offenen Hochschultür dargestellten Möglichkeiten gaben letztlich den Ausschlag für Mittweida und die Physikalische Technik.“

Promovenden sollten Herausforderungen lieben

Doch Studieren allein reichte Rico Böhme noch nicht aus – ein Doktortitel war sein Ziel: „Der Reiz und die Herausforderung, die hinter dem sehr komplexen Projekt einer Promotion stehen, die Chance auf eine vertiefende Arbeit zu dem von mir selbst gewählten Thema, aber auch die Überzeugung, dass ich es schaffen kann, sprich der eigene Ehrgeiz und der Zuspruch meiner Familie insbesondere meiner Frau, haben mich zur Promotion bewogen. Man darf das nicht unterschätzen: Eine Promotion ist quasi ein Ein-Mann-Projekt, das drei bis vier Jahre dauert, für das man in der Regel komplett eigenverantwortlich und deren einzige planbare Ressource man selbst ist. Neben der eigentlichen bezahlten Arbeit nimmt die Promotion noch einmal mindestens ebenso viel Zeit in Anspruch. Das bedeutet, dass man zum erfolgreichen Finalisieren ein sehr gutes Selbstmanagement sowie zwingend auch die Koordination mit dem persönlichen Umfeld, sprich mit der Familie, schaffen muss.“

„Für Berufseinsteiger bzw. Quereinsteiger aus der Forschung ist die Einstiegshöhe im Maschinenbau oder in verwandten technischen Branchen ohne Promotion meist niedriger bezüglich Position und natürlich Gehalt. Auch später ist eine Promotion nachhaltiger, um das Niveau halten zu können bzw. um sich weiterzuentwickeln. Die Ursache liegt hier wahrscheinlich darin, dass die Dichte an promovierten Ingenieuren oder Naturwissenschaftlern nicht allzu groß ist, was auch die Aufstiegschancen steigert.“

Eine Promotion würde Dr. Böhme all denen empfehlen, die es nicht nur um des Titels willen, sondern auch die oben skizzierten Herausforderungen schätzen und bestehen wollen: „Doktoranden und die, die es werden wollen, müssen sich darüber im Klaren sein, dass persönliche Opfer zu einer Promotion dazu gehören.“

In der Industrie herrscht Zeitdruck

Den Übergang vom Studium in den Beruf hat Rico Böhme fließend erlebt: „Es war kein kompletter Umschwung in den Anforderungen und Randbedingungen: Nach der Diplomarbeit am Leibniz-Institut für Oberflächenmodifizierung in Leipzig begann ich meine berufliche Laufbahn als Forschungsingenieur an der Hochschule Mittweida. Durch meine Diplomarbeit war ich es bereits gewohnt, auf einem spezifischen wissenschaftlichen Thema selbständig zu arbeiten. Daher war die projektorientierte Arbeit als Forschungsingenieur keine große Umstellung für mich. Insgesamt gesehen war die Zeit an den Instituten eine sehr gute Vorbereitung für meinen späteren Wechsel in die Industrie. Ich persönlich denke, dass genau diese Ausbildung und die sehr anspruchsvolle Projektarbeit meine gesamte Denkweise, z.B. bei Problemlösungen, entsprechend geprägt hat, was bei einem direkten Berufseintritt in die Industrie mit den dort vorherrschenden Rahmenbedingungen schwieriger gewesen wäre.“

„Während meiner Zeit an den Instituten in Mittweida und Leipzig als Forschungsingenieur und wissenschaftlicher Mitarbeiter erlangte ich sehr gute fachliche und analytische Erfahrungen und Fähigkeiten. Diese konnte ich als Senior Prozessingenieur bei der Firma Roth & Rau AG in Hohenstein-Ernstthal perfekt anwenden und ausbauen.  Was mich beeindruckt hat beim Wechsel von der Forschung in die Industrie, war die Intensität und der Zeitdruck, denen im Prinzip alle Aufgaben im Tagesgeschäft unterliegen.“

„Bei der Firma InnoLas GmbH in Krailling bei München trat ich Anfang 2011 eine neue Herausforderung an und war dort im ersten Jahr verantwortlich für Kundenprojekte sowie den Aufbau einer strategischen Prozessentwicklung. Ich bin somit verantwortlich für die strategische Ausrichtung der Prozess- und Technologieentwicklung der Firma.  Die InnoLas Systems GmbH verkauft Maschinen zur Lasermikrobearbeitung für die Photovoltaik, Mikrosystemtechnik, Mikroelektronik, Glas und Keramik.“

Privatleben und Beruf müssen dennoch im Einklang zueinander stehen

Rico Böhmes Arbeitswoche ist vollgepackt: „Ich sitze montags ab 5:00 Uhr im Zug von Leipzig nach München und arbeite am Laptop bzw. telefoniere, ab 11:30 Uhr bin ich im Büro, 13:00 bis 18:00 Uhr laufen diverse Meetings und das Tagesgeschäft, ab 19:00 Uhr bis 22:00 Uhr bin ich in der Regel im Labor für praktische Arbeiten. Dienstags und mittwochs verfolge ich zehn Stunden lang das Tagesgeschäft am Rechner und Telefon mit Meetings, Projektmanagement, Kundenkontakten, Förderprojekten und Entwicklungsthemen, ab 19:00 Uhr folgen meist Laborarbeiten. Der Donnerstag verläuft ähnlich, ab 16:00 Uhr wird im Zug von München nach Leipzig weitergearbeitet. Freitags bin ich ganztägig im Home Office tätig, um die Woche nachzubereiten. Neben diesem Alltag habe ich aber das Privileg, dass ich auch sehr häufig auf Reisen sein darf. Dies reicht von Koordinationstreffen innerhalb nationaler Forschungsprojekte über Kundenbesuche bis zu mehrwöchigen ‚Feuerwehreinsätzen‘ beim Kunden, sollte es technologische Herausforderungen geben. Da unsere Kunden hauptsächlich in Asien und Amerika sitzen, sind solche Reisen eine sehr interessante und prägende Abwechslung.“

„Aktuell ist mein wichtigstes Ziel, bei guter Gesundheit und gleicher Leistungsfähigkeit zu bleiben und mein eigenes Zeitmanagement weiter zu verbessern, um auch die freien Tage mit der Familie genießen zu können und so die richtige und wichtige Balance zwischen Privatleben und Beruf zu finden.“

„Zu Mittweida habe ich heute verschiedene Anknüpfungspunkte. Ich pflege beruflich und auch persönlich enge Kontakte zum Laserinstitut der Hochschule Mittweida und dem entsprechenden Fachbereich. Das betrifft Forschungsaufträge an das Laserinstitut und Studentenausbildung. Auch zukünftig plane ich, diese Kontakte und die Zusammenarbeit fortzuführen und wenn möglich zu intensivieren.“

Jedes Jahr Klassentreffen

„Ein weiterer, mir persönlich sehr wichtiger Anknüpfungspunkt zu Mittweida ist der 27.12. eines jeden Jahres. Das ist nämlich der jährliche Termin unseres ‚Klassentreffens‘. Es ist seit 2002 zur Tradition geworden, dass sich die Absolventen der PT96 an diesem Tag zum Abendessen treffen. Üblicherweise verbinden wir das Essen mit einem nächtlichen Rundgang über den Campus. Diese Tradition ist besser und effektiver als jedes Social Network: Man verliert sich auch physisch nicht aus den Augen und wir haben es immer geschafft, dass mindestens 60 Prozent der Kommilitonen aus dem Abschlussjahr anwesend sind.“

Dr. Rico Böhme würde jeder Zeit wieder Physikalische Technik in Mittweida studieren: „Ich würde aber mit dem Wissen von heute versuchen, mir nebenbei auch zusätzliche Qualifikationen im Wirtschaftsingenieurwesen, Fremdsprachen sowie Projekt- und Selbstmanagement anzueignen.“

An der Hochschule Mittweida könnt ihr die Spezialisierungsrichtungen Lasertechnik und Photonik im Studiengang Physikalische Technik studieren. Neben dem Studium könnt ihr euch außerdem in Workshops des Career Service Centers zu verschiedenen berufsvorbereitenden Themen weiterbilden oder an Sprachkursen des KOMMIT Kompetenz-Zentrum Mittweida teilnehmen. Außerdem habt ihr die Möglichkeit, verschiedene Weiterbildungsangebote zu besuchen wie z.B. das Studienangebot zum Thema Nachhaltigkeit in gesamtwirtschaftlichen Kreisläufen.

Habt ihr noch Fragen an Dr. Rico Böhme? Dann habt ihr die Möglichkeit ihn kennen zu lernen und ihm alle Fragen rund um sein Studium, die Promotion oder seinen Job persönlich zu stellen: Kommt einfach am 7. Juni ab 19:00 Uhr zur Absolventenlounge ALUMNIUM ins Studio B im Haus 6. Er und viele andere Absolventen der Hochschule Mittweida stellen sich dort euren Fragen und freuen sich auf die Gespräche mit euch.