Absolventenportrait: Promovierte Ingenieure und Naturwissenschaftler haben gute Aufstiegschancen

Dr. Rico Böhme studierte Physikalische Technik mit der Spezialisierung Lasertechnik an der Hochschule Mittweida. Nach seiner Arbeit am hiesigen Laserinstitut ging er zunächst an ein Forschungsinstitut nach Leipzig, entschied sich für eine Promotion und wechselte danach in die Wirtschaft. Im Absolventenportrait erzählt er, wie eine typische Arbeitswoche für ihn aussieht und was man mitbringen sollte, um einen Doktortitel zu erlangen. Außerdem könnt ihr ihn bei der Absolventenlounge ALUMNIUM am 7. Juni persönlich kennen lernen.

Dr. Rico Böhme, Absolvent Physikalische Technik

Dr. Rico Böhme, Absolvent Physikalische Technik

Dass Rico Böhme studieren wollte, wusste er bereits während seiner Zeit am Gymnasium Rochlitz: „Die Frage war im Prinzip nur: ‚Was?‘. Anderweitige Bewerbungen z.B. für kaufmännische Berufsausbildungen führte ich eher halbherzig und nur zur Beruhigung meiner Eltern durch. Auf dem Gymnasium war ich dank der damals geltenden Regelungen nicht gezwungen, mich entweder naturwissenschaftlich oder sprachlich festlegen zu müssen. Diese Entscheidung war dann erst bei der Wahl meiner Leistungskurse notwendig: Ich entschied mich für Physik und Geschichte. Die Interessen waren aber zum Ende der Schulzeit deutlich zu Gunsten der Physik und der Naturwissenschaften hin verschoben. Für ein Studium hatte ich mir daher nach Ende der Schulzeit drei Rahmenbedingungen gesetzt: Es musste etwas mit Physik zu tun haben, es durfte nicht zu theoretisch sein und es sollte in vernünftiger Nähe zu meinem Heimatort Rochlitz sein. Gerade das sowie die während der Tage der offenen Hochschultür dargestellten Möglichkeiten gaben letztlich den Ausschlag für Mittweida und die Physikalische Technik.“

Promovenden sollten Herausforderungen lieben

Doch Studieren allein reichte Rico Böhme noch nicht aus – ein Doktortitel war sein Ziel: „Der Reiz und die Herausforderung, die hinter dem sehr komplexen Projekt einer Promotion stehen, die Chance auf eine vertiefende Arbeit zu dem von mir selbst gewählten Thema, aber auch die Überzeugung, dass ich es schaffen kann, sprich der eigene Ehrgeiz und der Zuspruch meiner Familie insbesondere meiner Frau, haben mich zur Promotion bewogen. Man darf das nicht unterschätzen: Eine Promotion ist quasi ein Ein-Mann-Projekt, das drei bis vier Jahre dauert, für das man in der Regel komplett eigenverantwortlich und deren einzige planbare Ressource man selbst ist. Neben der eigentlichen bezahlten Arbeit nimmt die Promotion noch einmal mindestens ebenso viel Zeit in Anspruch. Das bedeutet, dass man zum erfolgreichen Finalisieren ein sehr gutes Selbstmanagement sowie zwingend auch die Koordination mit dem persönlichen Umfeld, sprich mit der Familie, schaffen muss.“

„Für Berufseinsteiger bzw. Quereinsteiger aus der Forschung ist die Einstiegshöhe im Maschinenbau oder in verwandten technischen Branchen ohne Promotion meist niedriger bezüglich Position und natürlich Gehalt. Auch später ist eine Promotion nachhaltiger, um das Niveau halten zu können bzw. um sich weiterzuentwickeln. Die Ursache liegt hier wahrscheinlich darin, dass die Dichte an promovierten Ingenieuren oder Naturwissenschaftlern nicht allzu groß ist, was auch die Aufstiegschancen steigert.“

Eine Promotion würde Dr. Böhme all denen empfehlen, die es nicht nur um des Titels willen, sondern auch die oben skizzierten Herausforderungen schätzen und bestehen wollen: „Doktoranden und die, die es werden wollen, müssen sich darüber im Klaren sein, dass persönliche Opfer zu einer Promotion dazu gehören.“

In der Industrie herrscht Zeitdruck

Den Übergang vom Studium in den Beruf hat Rico Böhme fließend erlebt: „Es war kein kompletter Umschwung in den Anforderungen und Randbedingungen: Nach der Diplomarbeit am Leibniz-Institut für Oberflächenmodifizierung in Leipzig begann ich meine berufliche Laufbahn als Forschungsingenieur an der Hochschule Mittweida. Durch meine Diplomarbeit war ich es bereits gewohnt, auf einem spezifischen wissenschaftlichen Thema selbständig zu arbeiten. Daher war die projektorientierte Arbeit als Forschungsingenieur keine große Umstellung für mich. Insgesamt gesehen war die Zeit an den Instituten eine sehr gute Vorbereitung für meinen späteren Wechsel in die Industrie. Ich persönlich denke, dass genau diese Ausbildung und die sehr anspruchsvolle Projektarbeit meine gesamte Denkweise, z.B. bei Problemlösungen, entsprechend geprägt hat, was bei einem direkten Berufseintritt in die Industrie mit den dort vorherrschenden Rahmenbedingungen schwieriger gewesen wäre.“

„Während meiner Zeit an den Instituten in Mittweida und Leipzig als Forschungsingenieur und wissenschaftlicher Mitarbeiter erlangte ich sehr gute fachliche und analytische Erfahrungen und Fähigkeiten. Diese konnte ich als Senior Prozessingenieur bei der Firma Roth & Rau AG in Hohenstein-Ernstthal perfekt anwenden und ausbauen.  Was mich beeindruckt hat beim Wechsel von der Forschung in die Industrie, war die Intensität und der Zeitdruck, denen im Prinzip alle Aufgaben im Tagesgeschäft unterliegen.“

„Bei der Firma InnoLas GmbH in Krailling bei München trat ich Anfang 2011 eine neue Herausforderung an und war dort im ersten Jahr verantwortlich für Kundenprojekte sowie den Aufbau einer strategischen Prozessentwicklung. Ich bin somit verantwortlich für die strategische Ausrichtung der Prozess- und Technologieentwicklung der Firma.  Die InnoLas Systems GmbH verkauft Maschinen zur Lasermikrobearbeitung für die Photovoltaik, Mikrosystemtechnik, Mikroelektronik, Glas und Keramik.“

Privatleben und Beruf müssen dennoch im Einklang zueinander stehen

Rico Böhmes Arbeitswoche ist vollgepackt: „Ich sitze montags ab 5:00 Uhr im Zug von Leipzig nach München und arbeite am Laptop bzw. telefoniere, ab 11:30 Uhr bin ich im Büro, 13:00 bis 18:00 Uhr laufen diverse Meetings und das Tagesgeschäft, ab 19:00 Uhr bis 22:00 Uhr bin ich in der Regel im Labor für praktische Arbeiten. Dienstags und mittwochs verfolge ich zehn Stunden lang das Tagesgeschäft am Rechner und Telefon mit Meetings, Projektmanagement, Kundenkontakten, Förderprojekten und Entwicklungsthemen, ab 19:00 Uhr folgen meist Laborarbeiten. Der Donnerstag verläuft ähnlich, ab 16:00 Uhr wird im Zug von München nach Leipzig weitergearbeitet. Freitags bin ich ganztägig im Home Office tätig, um die Woche nachzubereiten. Neben diesem Alltag habe ich aber das Privileg, dass ich auch sehr häufig auf Reisen sein darf. Dies reicht von Koordinationstreffen innerhalb nationaler Forschungsprojekte über Kundenbesuche bis zu mehrwöchigen ‚Feuerwehreinsätzen‘ beim Kunden, sollte es technologische Herausforderungen geben. Da unsere Kunden hauptsächlich in Asien und Amerika sitzen, sind solche Reisen eine sehr interessante und prägende Abwechslung.“

„Aktuell ist mein wichtigstes Ziel, bei guter Gesundheit und gleicher Leistungsfähigkeit zu bleiben und mein eigenes Zeitmanagement weiter zu verbessern, um auch die freien Tage mit der Familie genießen zu können und so die richtige und wichtige Balance zwischen Privatleben und Beruf zu finden.“

„Zu Mittweida habe ich heute verschiedene Anknüpfungspunkte. Ich pflege beruflich und auch persönlich enge Kontakte zum Laserinstitut der Hochschule Mittweida und dem entsprechenden Fachbereich. Das betrifft Forschungsaufträge an das Laserinstitut und Studentenausbildung. Auch zukünftig plane ich, diese Kontakte und die Zusammenarbeit fortzuführen und wenn möglich zu intensivieren.“

Jedes Jahr Klassentreffen

„Ein weiterer, mir persönlich sehr wichtiger Anknüpfungspunkt zu Mittweida ist der 27.12. eines jeden Jahres. Das ist nämlich der jährliche Termin unseres ‚Klassentreffens‘. Es ist seit 2002 zur Tradition geworden, dass sich die Absolventen der PT96 an diesem Tag zum Abendessen treffen. Üblicherweise verbinden wir das Essen mit einem nächtlichen Rundgang über den Campus. Diese Tradition ist besser und effektiver als jedes Social Network: Man verliert sich auch physisch nicht aus den Augen und wir haben es immer geschafft, dass mindestens 60 Prozent der Kommilitonen aus dem Abschlussjahr anwesend sind.“

Dr. Rico Böhme würde jeder Zeit wieder Physikalische Technik in Mittweida studieren: „Ich würde aber mit dem Wissen von heute versuchen, mir nebenbei auch zusätzliche Qualifikationen im Wirtschaftsingenieurwesen, Fremdsprachen sowie Projekt- und Selbstmanagement anzueignen.“

An der Hochschule Mittweida könnt ihr die Spezialisierungsrichtungen Lasertechnik und Photonik im Studiengang Physikalische Technik studieren. Neben dem Studium könnt ihr euch außerdem in Workshops des Career Service Centers zu verschiedenen berufsvorbereitenden Themen weiterbilden oder an Sprachkursen des KOMMIT Kompetenz-Zentrum Mittweida teilnehmen. Außerdem habt ihr die Möglichkeit, verschiedene Weiterbildungsangebote zu besuchen wie z.B. das Studienangebot zum Thema Nachhaltigkeit in gesamtwirtschaftlichen Kreisläufen.

Habt ihr noch Fragen an Dr. Rico Böhme? Dann habt ihr die Möglichkeit ihn kennen zu lernen und ihm alle Fragen rund um sein Studium, die Promotion oder seinen Job persönlich zu stellen: Kommt einfach am 7. Juni ab 19:00 Uhr zur Absolventenlounge ALUMNIUM ins Studio B im Haus 6. Er und viele andere Absolventen der Hochschule Mittweida stellen sich dort euren Fragen und freuen sich auf die Gespräche mit euch.

Manuela

Manuela

Ich bin an der Hochschule Mittweida im Bereich Alumniarbeit tätig und Ansprechpartner für die Absolventen, welche wir hier im Blog vorstellen. Bei Interesse oder Fragen meldet euch einfach unter alumni@hs-mittweida.de. Außerdem studiere ich Industrial Management (M.Sc.) und habe meinen Abschluss in Medientechnik (B.Eng.) an der Hochschule Mittweida erworben.

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