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Prof. Jan Schaaf

Prof. Jan Schaaf

Die Immobilienwirtschaft hat es Jan Schaaf angetan. Der gebürtige Leipziger hat sich bereits während seines Studiums im Fach Wirtschaftsingenieurewesen auf die Betriebswirtschaft und später den Immobilienbereich spezialisiert. Dabei arbeitet er an der Hochschule Mittweida in einer ganz anderen Fakultät, als er sich das früher gedacht hätte. Schaaf meint: „An anderen Hochschule ist dieser Bereich meist bei den Wirtschaftswissenschaften angesiedelt. Da sind wir schon ein wenig Exoten.“ Die Strukturen sind dabei historisch gewachsen, da sich der Studiengang Immobilienmanagement & Facilities Management aus dem ehemaligen Fach Gebäudetechnik entwickelte. Heute umfasst er jedoch wesentlich mehr Fachgebiete. Der Leipziger sagt: „Ich kümmere mich dabei hauptsächlich um den ökonomischen Bereich der Immobilie. Meine Kollegen eher um den technischen.“

Zugute kommt Jan Schaaf, dass er die Praxis nicht komplett hinter sich gelassen hat. „Zusammen mit zwei ehemaligen Kollegen betreibe ich in Leipzig ein Unternehmen, welches sich mit strategischer Stadtentwicklung beschäftigt und Beratungen im Immobilienbereich anbietet“, erklärt der 38-jährige. Seit 2004 läuft das Projekt und Schaaf weiß, wie viel ihm die Arbeit bringt: „Alle Dinge, die wir dort tun, kann ich in die Lehre einfließen lassen. In unserer dynamischen Welt gibt es ständig etwas Neues, durch die Firma kann ich unseren Studenten die Entwicklungen an praktischen Beispielen präsentieren.“

Praktisch forschen

Das praktische Arbeiten ist sowieso eine Leidenschaft des Dozenten. Nach seinem Studium als Wirtschaftsingenieur arbeitet Schaaf am Institut für Stadtentwicklung der Uni Leipzig. Zwischenzeitlich für mehrere Jahre auch als Geschäftsführer. Während dieser Zeit promovierte er und wurde 2011 in den Stand eines Doktors erhoben.  Sein Thema hatte natürlich einen praktischen Bezug: Public Private Partnership im Bau. „Es ging damals darum, wie Kommunen Investitionsproblemen mit Hilfe privater Investoren entgegentreten können“, erklärt Schaaf.

Auch heute würde Jan Schaaf gern weiter Forschungsprojekte angehen. „Mich interessiert zum Beispiel die Verbindung zwischen der Immobilienwirtschaft und der Stadtentwicklung. Da gibt es aus meiner Sicht viele Schnittstellen“, sagt der Professor: „Leider gibt es aktuell eine Entwicklung, dass Immobilien viel zu sehr aus Kapitalmarktsicht betrachtet werden. Hier würde ich gern einen Beitrag leisten, dass die Fachleute auch wieder mehr die Immobilie mit ihren Spezifika im Blick haben.“ Aber auch Themen wie die Kombination aus Energie- und Immobilienmanagement hält Schaaf für lohnenswerte Forschungsgebiete.

Zunächst konzentriert jedoch Jan Schaaf auf sein neuestes Projekt. Ab dem Wintersemester 2013/14 wird im Studiengang Industrial Management eine Vertiefungsrichtung „Immobilienmanagement und Facility Management“ angeboten. Der Exot unter den Maschinenbauern freut sich auf die neue Aufgabe: „Ich denke es gibt ein großes Potenzial für diesen Bereich.“

Andreas Finsterbusch, Absolvent Maschinenbau

Andreas Finsterbusch, Absolvent Maschinenbau

Der Förderkreis Hochschule Mittweida e.V. zeichnete Andreas Finsterbusch 2012 für seine Masterarbeit „Untersuchung von akustischen Grenzflächen mittels Ultraschall-Phased Array-Technik, zur Validierung der Fehlerdetektierbarkeit in Kohlenstofffaser-Verbundstrukturen“ mit dem Carl‑Georg‑Weitzel‑Preis aus. Nach seiner Abschlussarbeit schaffte er den Wechsel in die Wirtschaft über ein Trainee-Programm bei einem international agierenden Stahlproduzenten, der Ilsenburger Grobblech GmbH, einer Tochtergesellschaft der Salzgitter AG.

Warum haben Sie sich für den Studiengang Maschinenbau entschieden?

„In meiner Schulzeit richteten sich meine Interessen besonders auf Themenfelder im technisch‑naturwissenschaftlichen Bereich. Daher entschied ich mich nach meinem Realschulabschluss für ein technisches Fachabitur. Neben dem theoretischen Unterricht sah der Lehrplan ein sechsmonatiges fachrichtungsbezogenes Praktikum in einem selbstgewählten Unternehmen vor. In dieser Zeit kam ich mit der Fertigungs-, Montage- und Konstruktionsabteilung der Maschinenbaufirma, sowie erstmals mit dem Werkstoff Stahl in Berührung. Dieses Praktikum gab letztlich den Ausschlag für meine Entscheidung ein ingenieurwissenschaftliches Studium in Angriff zu nehmen.“

Warum haben Sie in Mittweida studiert?

„Mit dem Fachabitur in der Tasche suchte ich ein Studium mit technischem Hintergrund, welches eine praktische Ausbildung mit theoretischem Wissen zu gleichen Anteilen kombinierte. Zusätzlich wurde ich zum Tag der offenen Hochschultür auf die ‚kurzen Wege‘ zwischen den Gebäuden und Einrichtungen, als auch auf den ‚direkten Draht‘ zu den wissenschaftlichen Mitarbeitern, Professoren und Kommilitonen aufmerksam. Das machte mir meine Entscheidung, in Mittweida zu studieren, umso leichter.“

Was zeichnet das Maschinenbaustudium an der Hochschule Mittweida aus?

„Es ist eine praxisnahe Ausbildung. Die Gliederung in drei Studienschwerpunkte vermittelt einen guten Einblick in das spätere Arbeitsfeld. Die Wahlmöglichkeiten lassen einen, je nach Interessenlage, das Studium gestalten, geben aber gleichzeitig einen Leitfaden zum Studienablauf an die Hand.“

„Ein weiterer Unterschied ist der familiäre Charakter an der HSMW. Den Professoren und Mitarbeitern ist man namentlich bekannt, da die Lehrveranstaltungen vom Professor selbst geführt werden. Durch die geringe Größe der Seminargruppen ist eine individuelle Förderung und das Eingehen auf Fragestellungen stets machbar. Schließlich habe ich auch nach dem Studium, als Absolvent, gute Kontakte zu Professoren und Mitarbeitern der Fakultät Maschinenbau. Diese Bindung zur Fakultät wird während des Studiums u.a. durch jährliche, selbstorganisierte Fakultätsfeste, das Campusfestival oder die Nacht der Wissenschaften gestärkt.“

Welche vor dem Studium erworbenen Qualifikationen haben sich für Sie als nützlich erwiesen?

„Zum einen sollte ein technisches, mathematisches und physikalisches Grundverständnis vorhanden sein. Sicherlich können individuelle Schwächen durch Selbststudium oder mit Hilfe von Kommilitonen (denn man ist ja kein Einzelkämpfer!) ausgeglichen werden. Zum anderen haben mir Praktika bzw. Ferienjobs in verschiedenen Unternehmen weitergeholfen. Nicht nur um das erworbene Wissen in die Praxis umzusetzen, sondern auch um die Vielseitigkeit der Maschinenbaubranche kennen zu lernen.“

Wo arbeiten Sie und wie sieht Ihre Arbeit aus?

Walzgerüst der Ilsenburger Grobblech GmbH

Walzgerüst der Ilsenburger Grobblech GmbH

„Nach Beendigung meines Masterstudiums erfuhr ich, dass eine Stelle als Entwicklungsingenieur im Qualitätswesen bei der Ilsenburger Grobblech GmbH, welche zur Salzgitter AG gehört, zu besetzen ist. Den ersten Kontakt mit diesem Unternehmen hatte ich bereits im Jahr 2008 im Rahmen einer durch die Hochschule organisierten Exkursion. Schon damals war ich von den Dimensionen der eingesetzten Anlagentechnik, wie dem Quartowalzgerüst mit einer Walzkraft von 8000 Tonnen, beeindruckt. Seit Oktober 2012 arbeite ich im Walzwerk der Ilsenburger Grobblech GmbH in der Abteilung ‚Erzeugnisentwicklung und Technologie im Bereich Qualitätswesen‘.“

„Als Trainee erhalte ich durch den Besuch unterschiedlicher Seminare und Exkursionen zum Kennenlernen des Konzerns spannende Informationen. Hierbei geben einem die Kollegen wissenswerte und interessante Einblicke in ihren Abteilungsbereich, wie dem Erzlager, Hochofen, Konverter, den Stranggießanlagen oder den Walzstraßen des Stahlwerkes. Weiteres hilfreiches Wissen wurde mir durch einen betriebsinternen Abteilungsdurchlauf mit dem Verkauf, der Produktionsplanung, Grobblechfertigung und Qualitätssicherung vermittelt. Nebenbei lernt man andere Trainees aus unterschiedlichen Abteilungen und anderen Standorten des Konzerns kennen und knüpft Kontakte.“

„Zu meinem jetzigen Aufgabenbereich zählt die Verfahrens- und Datenanalyse des Walzprozesses hinsichtlich der geforderten Eigenschaften des gewalzten Grobbleches. Im Zuge dieser Untersuchungen führe ich zudem werkstofftechnische Prüfungen, wie Stirnabschreck- und Härteversuche, an Probenkörpern durch und bin zusätzlich in Besprechungen der unterschiedlichen projektorientierten Entwicklungsteams eingebunden.“

„Was ich Ihnen empfehlen würde:

  • Finden Sie frühzeitig ihre Interessensschwerpunkte im Studium heraus und vertiefen Sie diese.
  • Nutzen Sie die Semesterferien für Praktika in unterschiedlichen Unternehmen und Branchen Ihres Studienfaches.
  • Bilden Sie während des Studiums innerhalb der Seminargruppe, Fakultäten, Hochschule und Unternehmen Netzwerke.
  • Bleiben Sie stets neugierig und bilden Sie sich lebenslang weiter.“
Christan Rieger, Absolvent Maschinenbau und Industrial Management

Christian Rieger, Absolvent Maschinenbau und Industrial Management

„Anstrengend, aber sehr lehrreich“

Christian Rieger ist erfolgreicher Gründer und Geschäftsführer der SinusPro GmbH in Österreich. Einen Teil seines Fachwissens hat er an der Hochschule Mittweida gesammelt – bei den berufsbegleitenden Studiengängen Maschinenbau (Bachelor of Engineering) und Industrial Management (Master of Science): „Ich hatte schon die österreichische Fachausbildung für Maschinenbau (Höhere Technische Lehranstalt) und wollte mich in diesem Bereich berufsbegleitend weiterbilden, was in Österreich nicht so praktikabel möglich ist“, erklärt Rieger.

Die Hochschule Mittweida hat der Österreicher gezielt ausgewählt: „Ich wusste ja schon vorher, was ich machen wollte und suchte mir dazu dann die passende Hochschule.“ Bereut hat er seine Entscheidung nicht, auch wenn die Doppelbelastung nicht immer einfach war: „Beide Studien waren aufgrund der berufsbegleitenden Durchführung sehr anstrengend, jedoch auch sehr lehrreich, nicht nur in fachlicher Hinsicht.“ Gelohnt haben sich die Anstrengungen auf jeden Fall. 2008 gründete Christian Rieger sein eigenes Ingenieurbüro. Die SinusPro GmbH hat sich auf technische Simulationen spezialisiert und verfügt über zwölf Mitarbeiter. Auch die Verbindungen nach Mittweida sind immer noch präsent: „Ich habe noch einige Freunde in Mittweida und ein paar unserer Kunden stammen aus Chemnitz.“

Vom Ingenieur zum Leiter Marketing

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Christan Prinz, Absolvent Maschinenbau

Einen ähnlichen Weg hat der zweite Österreicher Christian Prinz eingeschlagen. Er übt heute die Position des Leiters des Marketings im Unternehmensbereich Kompressortechnik am Standort Wien des Schweizer Maschinenbaukonzerns HOERBIGER aus. Sein Aufgabengebiet ist breit gefächert: „Von technischen Artikeln in Fachjournalen, über Vorträge bei Konferenzen oder Fachmessen, Budgetplanung bis hin zur Kundenbetreuung von Meinungsführern in der Öl-und-Gas-Industrie um den ganzen Globus.“ Der Konzern beschäftigt 6.700 Mitarbeiter und erwirtschaftet im Jahr rund eine Milliarde Euro Umsatz.

Studiert hat der Österreicher am Techologie Transfer Zentrum Weiz, das den Studiengang Maschinenbau in Kooperation mit der Hochschule Mittweida anbietet. „Das TTZ Weiz war die einzige Fachhochschule in Österreich, bei der sich mein gewünschtes Studium mit meinem Beruf vereinbaren ließ“, sagt Christian Prinz. Vor allem die konkreten Blockveranstaltungen und die gezielten Blockwochen pro Semester kamen seiner reiseintensiven Position als Produktmanager für Kolbenkompressordiagnose- und Schutzsysteme entgegen.

Aus seiner Zeit in Doppelfunktion als Berufstätiger und Student kann Christian Prinz nur positive Erfahrungen ziehen: „Ich konnte meine Ingenieursausbildung in Österreich absolvieren und dennoch voll im Berufsleben stehen. Das gab mir für das Berufsleben entsprechendes Rüstzeug, aber auch die Fähigkeit, mich zu fokussieren und Prioritäten zu setzen.“ Die Studienbedingungen beschreibt er als „hart, aber fair“, da die Professoren sich gut auf die beruflichen Prioritäten einstellten und dementsprechend flexibel waren, was zum Beispiel Anwesenheit oder Prüfungstermine anging.

Christian Prinz arbeitet nach wie vor bei HOERBIGER. Parallel zum Studium konnte er seine Karriere fortsetzen: „Nicht zuletzt hat mir das Studium an der Hochschule Mittweida geholfen aus der Position eines Produktmanagers über eine Gruppenleitungs-Funktion im Bereich Marketing & Kommunikation in meine derzeitige, internationale Führungsposition aufzusteigen.“

Arbeit in der Metallographie

Während ihre Klassenkameradinnen ihre Praktika in Apotheken oder Kindergärten machten, stand Pauline ganz „frauenuntypisch“ an Maschinen und durchlief die unterschiedlichsten Abteilungen des Maschinenbaus. „Ich hab mich schon immer für Naturwissenschaften interessiert, aber ich weiß noch nicht genau, ob ich später auch in diese Richtung gehen möchte“, verriet die 15-Jährige.

Daher wollte sie so viele Erfahrungen wie möglich mitnehmen und alles, was möglich ist, im Praktikum ausprobieren. Neben Mess- und Oberflächentechnik stand so auch Fertigungstechnik auf ihrem Plan.

Probieren geht über Studieren

Mikroskopieren

Die Stationen, die Pauline in ihrem Praktikum durchlief, bauten konsequent aufeinander auf. Nachdem sie am ersten Arbeitstag mit Hilfe von CAD- Anwendungen einen Kreisel konstruierte, konnte sie diesen am Folgetag drehen, fräsen und hobeln. Nach dem die Eigenschaften des Werkstoffs durch eine Wärmebehandlung gezielt eingestellt und mit der Härteprüfung und dem Zugversuch überprüft wurden, ging es weiter zum Themenbereich Oberflächentechnik. Dabei schnupperte die Gymnasiastin Vorlesungsluft, als sie mit Studenten im Hörsaal saß. Danach wurde mit Hilfe der Messtechnik nachgewiesen, ob auch alle Maße des Kreisels stimmen. In der zweiten Woche ging Pauline zwei Tage ins Schweißlabor und analysierte in der Metallographie Gefüge. Zum Schluss wartete dann noch das VR-Labor. Was „Virtuelle Realität“ mit Maschinenbau und Fertigungstechnik zu tun hat, konnte sie sich zunächst nicht vorstellen, war aber sehr gespannt, was dort auf sie wartete. Für all diese Erfahrungen nahm die Zwönitzerin jeden Tag den langen Anfahrtsweg von 60 km auf sich und blickt zufrieden zurück.

Frauenmangel in technischen Berufen

Durch die verschiedenen Abteilungen weiß Pauline nun nach den zwei Wochen, was ihr liegt und Spaß macht und was nicht. Beides dürfte sie bei ihrer Berufswahl weiter gebracht haben. Der gesamte Studiengang Maschinenbau ist sehr vielfältig angelegt. Doch ein Blick in die Hörsäle verrät, dass der Studiengang immer noch eine Männerdomäne ist. „Die meisten Frauen gehen mit Vorurteilen an den Maschinenbau ran. Ohne diese Vorurteile würden sich sicher mehr von ihnen begeistern lassen“, begründet Professor Hahn den Frauenmangel, “Auf der einen Seite fehle den Frauen immer noch der Kontakt zur Technik, auf der anderen Seite herrsche der Gedanke Maschinenbau sei eine Arbeit, bei der sich schmutzig gemacht wird. Doch hinter dem Begriff Maschinenbau steckt mehr als das Bauen von Maschinen. Besonders das präzise Arbeiten ist etwas, was Frauen generell sehr liegt.“

Praxis ist die beste Theorie

Paulines Praktikum ist kein Einzelfall. Bei Interesse am Studiengang ist jederzeit ein Praktikum möglich. Die Professoren sind sehr offen für Studieninteressierte und gehen direkt in die Gymnasien, um Schüler zu motivieren. Meistens finden anschließend Praktika in kleinen Gruppen von 3-4 Personen statt. Pauline hingegen war in den zwei Wochen die einzige Praktikantin in der Fakultät. Individuelle Betreuung ist wohl eine der besten Vorrausetzungen zu lernen und nicht jedes Praktikum bietet eine solche Möglichkeit.

Bachelor der Woche: Maschinenbau

Maschinenbauer konstruieren – am liebsten Autos. Das ist vermutlich die verbreitete Vorstellung zum Berufsfeld des Maschinenbauers. Tatsächlich gehört die Konstruktion zu den Fachgebieten im Maschinenbau und auch Automobile spielen eine große Rolle. Aber wusstest du, dass auch deine Badezimmerarmatur von Maschinenbauern entwickelt wurde? Damit der Hahn bei Kontakt mit Wasser, der ja unweigerlich auf ihn zukommt, nicht rostet, wird er beschichtet. Natürlich könnte der Wasserhahn auch direkt aus nicht rostenden Werkstoffen gefertigt werden, aber das wäre zu teuer. Wieso nehmen wir nicht einfach Kunststoff? Das ist tatsächlich viel billiger und wird in der Industrie so praktiziert. Durch die Beschichtung wird die Armatur schön glänzend, unempfindlich gegen Rost und Kratzer und dazu günstig in der Herstellung.

bdw_maschinenbau_20Teamwork ist Grundvoraussetzung

Die Zusammenarbeit zwischen Konstrukteur und Fertigung ist in der Industrie Voraussetzung für den Erfolg eines Produktes. So beeinflussen die Eigenschaften eines Werkstoffes die möglichen Fertigungsverfahren und mit der Wahl des richtigen Werkstoffes lassen sich die Anzahl der Fertigungsschritte und dadurch auch die Kosten minimieren.

Das Studium in Mittweida vermittelt das dazu notwendige Grundlagenwissen in diesen Disziplinen und bietet den Studenten die Möglichkeit sich in die Richtungen Konstruktion, Fertigungstechnik oder Werkstoff- und Oberflächentechnik zu spezialisieren.

bdw_maschinenbau_04Learning by doing

Gelernt wird dabei nicht nur aus Büchern: „Am besten begreifen unsere Studenten die Zusammenhänge durch selbst ausprobieren.“ beschreibt Prof. Hahn den Praxisbezug im Maschinenbaustudium. „Besonders hervorzuheben ist hier das Modul Konstruktionslehre und Antriebstechnik. Wir haben ein ganzes Labor voller Getriebe und jeder Student muss im Studium eines von ihnen zerlegen, eine Zeichnung von den Teilen anfertigen und alles wieder montieren.“ erklärt der Prof. für Werkstofftechnik begeistert. Wer sich also als Kind schon immer gefragt hat, wie Dinge funktionieren und dieser Frage mit dem Zerlegen des Objekts auf den Grund gegangen ist, der ist in Mittweida richtig.

Abschluss garantiert

bdw_maschinenbau_08Studenten des Maschinenbaus sollten neben naturwissenschaftlichem und technischem Interesse gutes Grundwissen in den Fächern Mathematik, Physik und Chemie mitbringen. Ja, du hast richtig gelesen: Chemie. Sie spielt in der Werkstoff- und Oberflächentechnik eine wichtige Rolle, wenn es darum geht Werkstoffe zu beschichten und Materialien beständig gegenüber Umwelteinflüssen zu machen oder den Verschleiß zu minimieren. „Trotzdem ist die Abbrecherquote bei uns sehr gering und das liegt nicht daran, dass es bei uns leichter ist als an anderen Hochschulen“ versichert Prof. Hahn. Vielmehr sind die Erfolgsquoten auf die individuelle Betreuung und Zusatzangebote wie Pro-Seminare in Chemie zurückzuführen. „Wer wirklich will und diese Angebote nutzt, der schafft bei uns auch den Abschluss“ garantiert er. Dann ist es auch möglich das Bachelorstudium in den vorgegebenen 6 Semestern zu absolvieren, denn Wiederholungsprüfungen werden laufend angeboten und genügend Praktikumsplätze sind ebenfalls  vorhanden.

bdw_maschinenbau_09Praxis steht im Vordergrund

„Bei uns führen die Studenten alle Versuche selbst durch. In den Praktika lernen sie zum Beispiel Schweißen, Drehen und Beschichten. Wir vermitteln dabei nicht nur Wissen sondern auch handwerkliche Fähigkeiten.“ berichtet Frank Köster, Professor für Verfahrenstechnik/Oberflächentechnik. Im Rahmen ihres Studiums haben die Studenten zusätzlich die Möglichkeit an Exkursionen zu Messen oder Unternehmen teilzunehmen oder im Formula Student Team der Hochschule Mittweida mitzuwirken.

Abschlussarbeiten werden von den Studenten zu 90% in der Praxis geschrieben. Bei Bedarf vermitteln die Professoren auch Partnerbetriebe. „Wir betreuen dadurch praxisnahe Arbeiten in aktuellen Themengebieten und unsere Studenten sammeln Praxiserfahrungen und bekommen oft direkt einen Job im Unternehmen angeboten.“ erklärt Prof. Köster.

Zusatzausbildung zum Schweißfachingenieur

bdw_maschinenbau_12Eine weitere Besonderheit in Mittweida ist der Schweißfachingenieur, den die Studenten während ihres Studiums besonders günstig ablegen können. Durch eine Kooperation werden viele Teile des Studiums dafür angerechnet und der Preis beträgt für immatrikulierte Studenten nur die Hälfte der regulären Kosten. Mit dieser Zusatzqualifikation sind die Absolventen überall gefragt.

Wer nach dem Bachelor weiter studieren möchte kann dies im Aufbaustudium zum Diplom-Ingenieur (FH) oder im Masterstudiengang Maschinenbau tun. Hier werden die drei Vertiefungsrichtungen Konstruktion, Fertigungstechnik und Werkstoff- und Oberflächentechnik weitergeführt, wobei natürlich auch ein Wechsel möglich ist. Der fehlende Stoff kann nachgeholt werden und auch hier gilt das Motto, es wird solange gelernt, bis jeder den Stoff verstanden hat.

Zusammen mit der TU Chemnitz und der Hochschule Zwickau arbeiten Wissenschaftler unserer Fakultät Maschinenbau über einen Zeitraum von drei Jahren am Projekt „Zukunftsorientierte Kompetenzclusterungs- und generierungsmethoden für Produktionsprozesse klein- und mittelständischer Unternehmen“ kurz: ZKProSachs.

Innerhalb des Projektes ZKproSachs wird nach Lösungen für spezielle Probleme von klein- und mittelständischen Unternehmen geforscht. Diese sind häufig hohem Kosten- und Zeitdruck ausgesetzt und haben eine variantenreiche Produktpalette, deren Teile und Baugruppen häufig in geringer Stückzahl gefertigt werden müssen. Hinzu kommt der zunehmende Fachkräftemangel. Um im Konkurrenzdruck bestehen zu können, ist unter anderem eine optimale Arbeitsplanung und Maschinenbelegung von großer Bedeutung. Hier kommen die Forschung und Ergebnisse des Nachwuchsforscherprojektes ZKProSachs zum Tragen.

Arbeitsplanung made in Mittweida

Das gesamte Forschungsprojekt ZKproSachs teilt sich in fünf Arbeitspakete, von denen der Teilbereich der Arbeitsplanung für ähnliche Bauteile von den Nachwuchsforschern aus Mittweida übernommen wird. Das bedeutet im Speziellen die Entwicklung eines auf technischen Elementen (Feature) basierenden Planungsassistenzsystems sowie die effiziente Aufbereitung und Nutzung von vorhandenem Unternehmens-Know-How.

Entwickelt wird ein Assistenzsystem zur Fertigungsprozessmodellierung auf Featurebasis. Dabei liegt die Sicht nicht wie üblich auf der Funktion des Produkts, sondern auf dem Erstellungzyklus von der Konstruktion bis hin zur Fertigung. Für diese neue Art der Planung existieren 43 definierte Features mittels derer sich jedes beliebige Einzelteil modellieren lässt. Ein solches Feature steht für die Eigenschaften des Objektes, beispielsweise die Abmessungen und Form einer Nut, und ist im Nachhinein änderbar. Diese sogenannten Features existieren als ISO-Norm in dieser Art seit 2006, wurden aber für die Fertigungsplanung noch nicht genutzt.

Ähnlichkeiten der Bauteile verkürzen den Planungsprozess

Für eine durchgängige Nutzung dieses Konzeptes entwickeln die Mittweidaer Forscher ein Planungssystem auf Featurebasis. Der Grundgedanke hierbei ist, dass ähnlichen Teilen ein ähnlicher Fertigungsprozess zu Grunde liegt. Die Ähnlichkeit wird anhand der Features bestimmt, klassifiziert und es werden Teileklassen gebildet. Dadurch wird ein möglichst ähnlicher, bereits vorhandener Arbeitsplan ermittelt. An diesem Arbeitsplan werden nur die Änderungen für die Fertigung des neuen Produkts vorgenommen. Der Fertigungsprozess verschiedener Produkte einer Teilefamilie lässt sich so mit wenig Aufwand planen. Der angepasste Arbeitsplan geht wiederum in das entwickelte wissensbasierte System ein, so dass sich der Pool an vorhandener Planung allein durch dessen Nutzung vergrößert.

Eine weitere Neuerung auf dem Forschungsgebiet ist die Planung der manuellen Montage mittels Virtual Reality. Und auch in der Mitarbeiterqualifizierung kommen zukünftig multimediale Inhalte und Virtual Reality zum Einsatz.

Positive Resonanz aus der Industrie

Die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Hochschulen im Rahmen des Forschungsprojektes ist laut Aussagen unserer Nachwuchsforscher M.Eng. Katharina Müller-Eppendorfer und Dipl.-Ing. (FH) Nico Meißner hervorragend. Die Nachwuchsforscher tauschen bei monatlichen Treffen ihre Erfahrungen und Erkenntnisse aus. Hinzu kommt jedes Jahr eine Konferenz, auf der die aktuellen Forschungsergebnisse präsentiert werden. Die Abschlusskonferenz findet in diesem Jahr in Zwickau statt. Laut Prof. Leif Goldhahn, Leiter des Forschungsprojektes in Mittweida, gibt es auch aus der Industrie einen positiven Rücklauf. Sowohl die Nachwuchsforscher als auch die Unternehmen profitieren vom Wissensaustausch, denn das Hauptziel des ESF-geförderten Projektes ist die Qualifizierung von Absolventen für die regionale Wirtschaft.

Derzeit arbeiten auch StudentInnen des Masterstudiums Maschinenbau mit am Projekt. Sie unterstützen die virtuelle Darstellung von Montageabläufen am VR-System und die Tests von Lernbausteinen für die Teilefertigung.

Für StudentenInnen gibt es auch nachfolgend wieder die Möglichkeit mitzuwirken. Gesucht werden vor allem Maschinenbauingenieure, Wirtschaftsingenieure und Informatiker.

LAMIS, das steht für Laserpulsabscheidung von Schichten und Lasermikrostrukturierung von Festkörpermaterialien und stellt eine fakultätsübergreifende Zusammenarbeit zwischen den Fakultäten Mathematik/Naturwissenschaften/Informatik und Maschinenbau dar. Insgesamt sechs Nachwuchsforscher beschäftigen sich im Rahmen des Forschungsprojektes seit drei Jahren mit Mikrostrukturen und Hartstoffschichten.

Grundlagenforschung vom Maschinenbau bis zur Biotechnologie

Anwendung finden die Forschungsergebnisse beispielsweise im industriellen Maschinenbau, wo durch die Erzeugung superharter Schichten auf Kohlenstoffbasis, fast Diamanthärte erreicht wird. Damit verringert man z.B. den Verschleiß an Bohrern, vermindert dadurch die Reibung und kann die Standzeiten dieser beschichteten Werkzeuge deutlich erhöhen.

In der Biotechnologie lässt sich durch Mikrostrukturen und Beschichtungen Zellwachstum fördern oder hemmen. So können bestimmte Kombinationen aus Schichten und Strukturen zum Beispiel das Anwachsen von verschiedenen Zellen z.B. auf beschichteten Implantaten begünstigen.

Die jungen Forscher präsentieren ihre Ergebnisse auf Tagungen, halten Vorträge und veröffentlichen Artikel in Fachmagazinen. Das oberste Ziel der ESF geförderten Projekte ist die Weiterqualifizierung von Absolventen der Hochschule. Das funktioniert so gut, das Katja Günther nach Abschluss des Projekts im Sommer einen Job bei Creavac, einer Vakuumbeschichtungsfirma in Dresden, antritt. Sie ist eine der sechs Nachwuchsforscher und Forscherinnen und hat Physikalische Technik in der Spezialisierungsrichtung Lasertechnik studiert.

Eine weitere Zusammenarbeit mit der Hochschule Mittweida sieht sie als ausdrücklich erwünscht an, da die Hochschule Mittweida mit sehr hoher fachlicher Kompetenz sowie den verschiedensten modernsten Messtechniken ausgerüstet ist.

Auch nach Projektende geht es weiter

Auch nach dem offiziellen Projektende im August wird in Mittweida weiter in Richtung Lasermikrobearbeitung und superharte Schichten geforscht. Prof. Weißmantel, Studiendekan für Physikalische Technik, verweist auf das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt „Schimasuma“ (Schichtstapel und Nanokompostite aus superhartem Material) und ein Verbundprojekt mit der Firma 3D-Micromac AG aus Chemnitz.

Studierende können sich im Laserinstitut als studentische Hilfskraft bewerben oder dort im Rahmen ihrer Abschlussarbeit forschen. Gesucht werden Studenten der Fachrichtungen Lasertechnik, Maschinenbau, Automatisierungstechnik und Informatik.