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Stellt euch vor, ihr schaut eine Fernsehserie und hättet die Möglichkeit, den Verlauf der Handlung aktiv zu beeinflussen. Das funktioniert in unserem Falle allerdings nicht, indem ihr dem Autor eure Vorschläge zuschickt und hofft, dass sie in irgendeiner Weise mit in die Geschichte der Serie einfließen, sondern ihr geht online und spielt die Geschichte einfach so wie ihr wollt.

Genau das ist das Ziel des Gamecast-Systems. Damit werden beim Spielen auch die Emotionen des Spielers mit einer Webcam aufgezeichnet und lassen sich auf dem Charakter sowohl im Spiel als auch in einem 3D-animierten Format abbilden. Daran arbeitet die Forschungsgruppe Gamecast, ein Projekt der Hochschule Mittweida. Durch die Forschung sollen die konventionellen medialen Grenzen aufgelöst und die Medien Animationsfilm und Online-Videospiel miteinander verbunden werden. Es entsteht ein neuartiges System, mit dem 3D-Animationen in Echtzeit produziert und verändert werden können.

Eine Animationsszene mittels herkömmlicher Key-Frame-Technik zu erstellen ist zeitaufwendig, denn dabei muss jede Szene Bild für Bild animiert werden. Neue Techniken, wie Motion-Capturing,  benötigen darüber hinaus meist teure Technik bei der Umsetzung. Die Bewegungen werden hierbei über ein Kamerasystem aufgezeichnet, ausgewertet und können auf ein 3D Model angewendet werden. Zusätzlich fällt ein hoher Aufwand für Nachbearbeitung oder das Umwandeln der aufgenommen Daten an. Dadurch wird die Produktion von Visualisierungen und Animationen extrem teuer.

Im Bereich der Videospiele können Grafiken in Echtzeit berechnet und animiert werden. Deshalb gibt es zunehmend Bestrebungen diese Techniken auch zur Produktion von Animationsfilmen einzusetzen. Die Forschungsgruppe Gamecast forscht seit 3 Jahren im Bereich der Medienkonvergenz, also  der Verbindung von unterschiedlichen Medien, und entwickelt dabei einen Prototyp zur gamebasierten Animation, Bearbeitung und Ausgabe von Szenen. Ziel dieser Forschung ist es ein System zu schaffen, mit dem kostengünstig Animationsszenen (beispielsweise für serielle Formate) sowie Prävisualisierungen von Filmen produziert werden können.

Die Forschungsgruppe hat im Moment um die 50 Mitarbeiter, die meisten von ihnen Studenten, die neben dem Studium praktische Erfahrungen sammeln wollen. Sie arbeiten auf den Gebieten  Programmierung, 3D Modellierung, Animation, Design und Marketing. Wer seine Leidenschaft für Computerspiele und Animationsfilme ebenfalls praktisch anwenden und umsetzen möchte, kann gern Teil des Gamecast Teams werden. Melden kann man sich jederzeit unter office@gamecast-tv.com.

Lieber erst noch mal gucken? Dann schau mal hier: www.gamecast-tv.com/flyer

Eines der Highlights war die  Premiere des ersten Testlevels aus dem Ende des Jahres folgenden Gamecast-Multiplayergame „Urban Rebellion“, das sich auf der Messe als wahrer Publikumsmagnet entpuppte. Die präsentierten Forschungsergebnisse waren so überzeugend, dass der Prototyp innerhalb kürzester Zeit die ersten Fans fand.

Besonders Fachbesucher waren sehr an der Forschung in diesem Bereich interessiert, was für viele interessante Unterhaltungen sorgte. Neben Interviews für einige mediale Plattformen und Gesprächen mit verschiedenen Vertretern aus der Gaming-Branche und -Industrie, war dennoch der Kontakt zum allgemeinen Besucherpublikum am wichtigsten. Denn dadurch wurde deutlich, wie nah das Produkt, beziehungsweise die Ideen, für die Gamecast steht, den Nerv der Zielgruppe treffen.

Um es kurz zu machen: Die Nachfrage war enorm und zeigte deutlich, dass die Forschung auf dem richtigen Weg ist.

Im Gepäck war aber nicht nur das Forschungsprojekt. Ein weiterer Schwerpunkt war natürlich auch dieses Jahr wieder der Studiengang Medieninformatik und interaktives Entertainment der Hochschule Mittweida. Mit viel Freude und auch ein wenig Stolz konnten wir den Besuchern an unserem Stand die zahlreichen vielversprechenden Projekte unserer Studenten aus dem Studiengang „Medieninformatik und interaktives Entertainment“ zeigen.

Die Besucher interessierten sich aber auch für andere informatikbezogene Studiengänge wie Wirtschafts- und Bioinformatik, sowie für die Medienstudiengänge. Ein Familienvater berichtete uns sogar, dass sein Sohn nach einem Besuch am Hochschulstand im letzten Jahr die Hauptfächer Informatik und Kunst gewählt hat, um bestens für ein Medieninformatik-Studium in Mittweida gerüstet zu sein.

Darüber hinaus waren die Besucher sehr begeistert von den praxisnahen Angeboten der Hochschule Mittweida. Wenn in Gesprächen Projekte wie das Medienforum, Technikum Mittweida Motorsport oder „Meine Abizeitung“, ein Projekt in dem Studenten Schüler bei der Anfertigung einer Abizeitung unterstützen, erwähnt wurden, zeigten sich die Besucher häufig überrascht, wie hoch und qualifiziert der Praxisanteil eines Studiums an der Hochschule Mittweida tatsächlich ist.

Dass es im Vorfeld der Messe einige Aufregung gab, als Mainplayer wie Nintendo und Microsoft ankündigten nicht auf der Messe vertreten zu sein, hat den Besucherzahlen nicht geschadet. Die Messe ist laut dem offiziellen Bericht der Veranstalter sogar gewachsen. Auch aus unserer Sicht war die Gamescom ein voller Erfolg und wir freuen uns schon auf das nächste Jahr.

 

Im Gespräch mit Anne Hamann, die seit letztem Jahr in den neuen Studiengang eingeschrieben ist, haben wir viele spannende Dinge erfahren und einen Einblick in das Studium und die Lehre bekommen, den die ersten Studierenden täglich erleben.

„Es wird sich allgemein in diesem Studiengang sehr gut um persönliche Fragen gekümmert. Dozenten, welche von Außerhalb kommen und Vorlesungen halten, sind auch jederzeit nach Veranstaltungen per E-Mail für Fragen offen. Nach einem Semester in diesem Studiengang, kann man locker sagen, dass alle mit einer großen Leidenschaft  ihr Handwerk verrichten.“ Schwärmt Anne von dem tollen Verhältnis zwischen Studierenden und Dozenten.

„Die Ersten zu sein, ist völlig in Ordnung“

„Einerseits sind wir schon Versuchskaninchen“ gibt Anne zu, „aber gerade weil manche Dinge noch nicht bis in letzte Detail geklärt sind, oder sich eingespielt haben, gibt es für uns die Chance und aktiv in die Gestaltung unseres Studiums einzubringen.“

Für die Studenten gibt es sogar die Möglichkeit bei einer Professorenkonferenz teilzunehmen und Verbesserungen anzuregen, sozusagen direktes Feedback aus dem studentischen Alltag der angehenden Medieninformatiker. So ist es also bestimmt nicht das Leichteste DIE Ersten zu sein, jedoch hat es auch viele Vorteile.

Praxisnah von Anfang an

Wie das gesamte Studium in Mittweida ist auch der neue Studiengang sehr praxisnah angelegt. Die Studenten der Medieninformatik können sich für eine Spezialisierungsrichtung entscheiden und entweder Informatics Applications (IA) oder Creative Content Design (CCD) wählen. Die Spezialisierung IA vermittelt eine tiefgründige Ausbildung als Programmierer bzw. Softwareentwickler, im Gegensatz dazu stehen bei CCD eher inhaltliche und konzeptionelle Thematiken im Vordergrund.

Im Allgemeinen erfährt man aber im grundlegenden Studium sehr viel über Visuelle Kommunikation (Form- und Farbenlehre), Kommunikation in Netzwerken (Technik in Netzwerken), 3D-Modellierung, Geoinformatik oder Softwaretechnik. Die Studenten kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen, einige haben vorher schon studiert, z.B. Medieninformatik in Dresden. Andere haben ihr Abitur in die Richtung Informationsverarbeitung gemacht oder eine Ausbildung in ähnliche Richtung.

Spieleideen aus Studentenhand

„Die im Selbststudium erlernten Fähigkeiten, können nun in eigenen Projekten umgesetzt werden. So entstanden im ersten Semester Projekte wie „Reign of the Apocalypse“, „Fear the Darkness“, „Origami Knight“, „Caturday“ und viele mehr.“ Berichtet uns Anne Hamann. In diesen Projekten verwirklichen die Studenten ihre selbst konzeptionierten und entwickelten Spielekonzepte. „Der Großteil wird im zweiten Semester fortgeführt und hat eine gute Chance sich am Markt zu behaupten. Jeder einzelne Student hat somit die Möglichkeit individuell seine Fähigkeiten zu verbessern und Kontakte zum Arbeitsmarkt zu knüpfen. Dies geschieht  durch eine Beurteilung  von Vertretern großer Namen wie zum Beispiel Lenovo oder Arte. Sie haben sich bereits ein Bild der Projekte gemacht.„ so die 22-jährige weiter.

Wer nun also neugierig geworden ist, findet weitere Informationen zu Studiengang, Berufsfeldern und der Bewerbung unter www.games-studieren.de Bewerbungsschluss ist übrigens der 15. Juli.

Zwar blieb es auch weiterhin bei dem üblichen technischen Schaulaufen konkurrierender Firmen, aber man versuchte dennoch neue Wege zu gehen und die Bandbreite in alle erdenklichen Richtungen der elektronischen Kommerzialisierung zu erweitern.

Dies gelang nicht immer. Bei einigen  Ausstellern hat man sich gewundert, was das mit Technik und Messe zu tun hat, wenn ganze Hallen nur mit Sportangeboten oder Automobilherstellern gefüllt werden und fehlende Neuerungen durch knapp bekleidete Damen kompensiert werden. So bleibt ein fahler Beigeschmack und man kann dies getrost abhaken und sich den eigentlich interessanten Dingen widmen.

Jobs finden auf der CeBit

Eines dieser löblichen Dinge fiel unter anderem auf den angestrebten Schwerpunkt „Karriere in der IT-Branche“. Es besteht nach wie vor ein großer Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften, sodass diesem Thema ebenfalls eine eigene Halle gewidmet wurde. Neben diversen Jobbörsen und direkten Kontakten zu namhaften Firmen, welche um die Gunst der potenziellen Bewerber buhlten, präsentierten sich auch einige Deutschen Forschungsinstitute, Universitäten sowie einzelne Bundesländer und Bundesagenturen. Die Angebote waren mehr als nur viel versprechend.
Dies zeigt auch, wie gefragt eine gute Ausbildung in diesem Bereich ist und das Gamecast ein wichtiges Sprungbrett für jeden von euch sein kann, um genau in den richtigen Firmen zu landen.

Ein weiterer Schwerpunkt um den man dieser Tage nicht herum kommt, ist das Thema „Cloud“. An vielen Ständen der Messe wurden die Möglichkeiten dieser Systeme beworben. Keiner will den Zug zur Wolke verpassen. Cloud-Sharing, Cloud-Controling, Cloud-Hosting, Virtual-Clouding und Cloud-Computing sind nur einige der neudeutschen Wörter, an die wir uns wohl demnächst gewöhnen müssen.
Allgemeine Gefahren wurden hingegen stets klein geredet, sowohl bei der Datensicherheit oder der Entmündigung des Kunden. Zum Glück gab es passend dazu bereits am Nachbarstand die passende Software-Lösung für die genannten Probleme, die es laut Anbieter natürlich nicht gibt. Es ist letztendlich das übliche Hin und Her um eine durchaus interessante Technikmöglichkeit, an der alle mitverdienen wollen.

Vertreten waren alle – zumindest fast

Vertreten waren jedoch alle, die in dieser Branche etwas auf sich halten. Von Mittelstands-Firmen  bis hin zu multinationalen Weltkonzernen.
Alle, bis auf Apple… sie scheuten nach wie vor den direkten Vergleich ihrer Produkte mit anderen um das Image ihrer Lifestyle-Ikone zu wahren.
Microsoft versuchte mit einer riesigen Werbeaktion Namens „Microsoft Heartbeat – the Power of Design“ verlorenen Boden in  diesem Bereich gut zu machen und setzten alles auf eine überdimensionierte „Windows 8“ Präsentation welches leider am unkundigen Personal mit fachlichen Auskünften scheiterte.

Dieser Umstand war ein generelles Phänomen auf der Messe. Fragen, die sich näher mit den Produkten befassten, wurden meist schwammig oder gar nicht beantwortet. Das übliche Verweisen an andere Personen, die rein  zufällig nie da sind, ist man als wissenskundiger Besucher ja bereits  gewöhnt, das aber ganze Stände mit Fachleihen besetzt werden, ist hingegen neu.
Dieser leidige Aspekt unterstreicht nur noch einmal deutlich den oben bereits angesprochen Mangel an gut ausgebildetem Personal in dieser Branche.

Im Allgemeinen hatte man auf der CeBit auch dieses Jahr wieder das bekannte „Basar-Feeling“, das oft auf Messen aufkommt, erweitert mit der einen oder anderen Livestyle-Attraktion, was bei dieser Branche doch eher aufgesetzt wirkt.
Als Beispiel sei hier nur der gesamte „E-Sport“-Bereich zu nennen, dem ebenfalls eine komplette Halle mit den üblichen knapp bekleideten Messedamen und dem digitalen Overkill gewidmet wurde. Ein Großteil der Teilnehmer wäre wohl auf Messen wie der Gamescom besser aufgehoben.

Fazit

Es war trotz allem eine interessante Messe mit spannenden Inhalten. Die neuen Ansätze der Messe sind lobenswert und bieten durchaus Potential für die Zukunft. Wirkliche Innovationen blieben jedoch leider aus.