Reif für die Insel? – Biodiversitätstagung auf Vilm

Nun forsche ich bereits im dritten Jahr am Scheidenblütgras (Coleanthus subtilis). Manchmal komme ich schon ins Zweifeln, ob die mühevoll gewonnenen Daten irgendeinen Sinn ergeben, ob das irgendwem nützt oder was ich hier überhaupt mache. Typische Doktoranden-Endphasen-Symptome. Und dann erreicht mich eine Einladung zum „Interdisziplinären Expertentreffen zur Biodiversitätsforschung“.

Interdisziplinären Expertentreffen zur BiodiversitätsforschungDas Bundesamt für Naturschutz (BfN) lädt ein zu einer Tagung auf die Insel Vilm. Das klingt spannend. Und Insel Vilm? Das hört sich doch nach Ostseeurlaub an. Ein kleines Eiland im Rügener Bodden mit uralten knorrigen Bäumen und ein Naturschutzgebiet, das regulär nur 20 Personen pro Tag mit fachkundiger Führung betreten dürfen. Ich fahre also mit Begeisterung und Vortrag  im Gepäck dorthin.

Gedankenaustausch vor malerischer Kulisse

Insel VilmAlle Tagungsgäste und Mitarbeiter des BfN müssen zunächst mit einem kleinen Kutter von Rügen nach Vilm übersetzen. Untergebracht sind wir in reetgedeckten Häusern – den ehemaligen Ferienhäusern der DDR-Regierung, die sich hier einst in der Abgeschiedenheit exklusiv erholten. Ein erster Inselrundgang eröffnet wunderschöne Blicke auf die Steilküste, den Bodden und die romantischen alten Baumsilhouetten. Bei langsamem Schritt braucht man etwa 45 Minuten für eine Umrundung der Insel. Es wird schnell klar, man kann sich hier ganz und gar frei von Ablenkung der Tagung widmen. Das fällt jedoch auch so nicht schwer – alles junge Forscher, die sich aus verschiedenen Fachrichtungen dem zentralen Thema „Biodiversität“ nähern und ihre laufenden Forschungsarbeiten vorstellen.

Zum Schutz der Biodiversität

Das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) wurde 1992 durch die Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung (UNCED) in Rio de Janeiro beschlossen und in Deutschland durch die „Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt“ aus dem Jahr 2007 umgesetzt. Dabei bezeichnet „biologische Vielfalt“ die Variabilität der Arten und zwischen den Arten und die Vielfalt der Ökosysteme. Sie umfasst dabei deren Schutz und die nachhaltige Nutzung.

PHYLOGEOGRAPHISCHE UND ÖKOLOGISCHE UNTERSUCHUNGEN AM SCHEIDENBLÜTGRAS (COLEANTHUS SUBTILIS)Die Tagungsteilnehmer kamen aus allen möglichen Fachrichtungen: Philosophen, Landschaftsarchitekten, Soziologen, Juristen, Agraringenieure und natürlich Biologen. Dadurch wurden teilweise völlig neue Sichtweisen auf das zentrale Thema eröffnet, und die Tagung stellte in jeder Hinsicht eine Erweiterung des Horizontes dar. Auch mein eigenes Forschungsthema stieß auf großes Interesse –passte doch die Erforschung der Ökologie und der genetischen Variabilität mit dem Zweck des Schutzes des seltenen Scheidenblütgrases genau ins Programm. Schön, wenn man merkt, dass sich zum Einen noch andere Wissenschaftler mit ähnlichen Themen befassen, und zum Anderen, dass auch so ein sehr spezielles Thema sich doch in ein großes Ganzes – den Schutz der Biodiversität – einfügt. Selten hat eine Tagung so viele Aspekte verbunden: Wissenszuwachs und –austausch, Knüpfung von Kontakten, neue Motivation zur eigenen Arbeit und  unmittelbares Erleben von Natur. Ich kann nur jedem empfehlen, der auch im weiteren Sinne mit dem Thema Biodiversität befasst ist, sich zur nächsten Expertentagung auf Vilm zu bewerben.

Übrigens – für Biodiversität spielen auch Fragen zur biologischen Sicherheit, den Auswirkungen gentechnisch veränderter Organismen (GVO), zur mikrobiologischen Diversität oder zu genetische Ressourcen eine Rolle – alles Themenfelder unseres Studienganges Biotechnologie/Bioinformatik. Du kannst also auch hier an der Hochschule Mittweida zur UN-Dekade Biologische Vielfalt 2011-2020 beitragen.

Annette

Annette

Ich habe in Jena Biologie studiert, Hauptfach Ökologie und 1994 mit Diplom abgeschlossen. Mein ‎Berufsweg führte mich über mehrere Stationen zur Biotechnologie. Seit 2007 arbeite ich als ‎wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule in der Fakultät MNI/ Fachbereich ‎Biotechnologie, und seit 2010 erhalte ich ein Promotionsstipendium von der Hochschule Mittweida, ‎finanziert aus dem Professorinnenprogramm. ‎

More Posts

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.