Echte Faszination für Mathematik

Kleider machen Leute – doch nicht immer, wie Prof. Thomas Villmann mit einem außergewöhnlichen Start an der Hochschule Mittweida beweist. Er ist der wohl einzige Professor, der seine Bewerbungs- bzw. Probevorlesung statt in feinem Zwirn in kurzen Hosen und T-Shirt abgehalten hat. Denn wegen eines Unfalls auf dem Weg nach Mittweida musste er sein Auto tauschen und vergaß dabei den Anzug im Unfallwagen. Dass dies seiner Kompetenz keinen Abbruch getan hat bewies er schnell, denn bereits seit März 2009 ist der gebürtige Potsdamer Professor für Mathematik in Mittweida.

Prof. Villmann beim Judo

Prof. Villmann beim Judo

Der sympathische Professor lehrt Mathematik in den Bachelor- und Masterkursen und forscht auf dem Gebiet der Computational Intelligence:  „Wir haben gelernt, wie die Natur gewisse Lösungen für Probleme gefunden hat, und das inspiriert uns für die Mathematik.“ Als Beispiel nennt er die Reaktionen, die unsere echten Nervenzellen im Gehirn auslösen, wenn ein Stein  auf uns zu geflogen kommt. Nämlich Ausweichen oder das Abwehren der Gefahr. Auf Basis sogenannter künstlicher neuronaler Netze, das sind Computermodelle, die Nervenzellen abbilden, werden dann Datenanalysen und Berechnungen getätigt.

Kaffeebohnen und andere „Blüten“

Prof. Villmann mit seinen Forschungskollegen Frau Dr. Geweniger und Herrn Haase

Prof. Villmann mit seinen Forschungskollegen Frau Dr. Geweniger und Herrn Haase

Mit seinem Forscherteam arbeitete er außerdem an den mathematischen Verfahren um mit Hilfe einer Spektralkamera Kaffeebohnen zu betrachten und anhand der Farbe den Reifegrad und die Möglichkeit der Weiterverarbeitung zu bestimmen. Hierfür wurde das Forscherteam sogar international ausgezeichnet.

Weiterhin wird mittels eines ähnlichen Systems derzeit daran geforscht zerstörte oder gefälschte Geldscheine bei Einzahlungen an Geldautomaten automatisch auszusortieren. Die forschenden Mathematiker stellen hierfür die Algorithmen bereit.

Auf die Frage, was ihm zuerst einfällt, wenn er an seine eigene Studienzeit zurück denkt, berichtet Prof. Villmann von seinem Mathematik-Stammtisch an der Universität Leipzig, zu dem er sich ein Mal wöchentlich mit seinen Kommilitonen in gemütlicher Runde traf um über Mathematik zu plaudern. Richtig gelesen – zu plaudern.  Was für viele schwer vorstellbar ist nennt Prof. Villmann die Faszination. Mathematik passt fantastisch in die Natur und viele Naturphänomene lassen sich nur mit Mathematik beschreiben.

Prof. Villmann bedauert aber auch, dass die Begeisterung, die er und seine damaligen Kommilitonen für die Mathematik hatten bei heutigen Schülern und Studenten ein wenig auf der Strecke bleibt. Die heutige mathematische und naturwissenschaftliche Vorbildung aus der Schule habe nachgelassen und in der Gesellschaft sei es „cool“ Naturwissenschaften nicht zu mögen.

 

Prof. Villmann auf dem Gipfel des Muztagh Ata (China, 7546m)

Prof. Villmann auf dem Gipfel des Muztagh Ata (China, 7546m)

Ohne Mathematik geht es einfach nicht

Doch sagt er auch, dass Mathematik, wie sie in Hochschulen gelehrt wird, wenig mit Rechnen und dem Verständnis von Mathematik aus der Schule zu tun hat, sondern einfach logische Schlüsse aus naturwissenschaftlichen Gegebenheiten zieht. Jeder, der eine gewisse Neigung für die Mathematik besitzt, kann gekoppelt mit Fleiß und Leidenschaft ein guter Mathematiker werden. Denn wie sollten Smartphones, Facebook oder Google ohne mathematische Hintergründe funktionieren?

Jedoch gibt Prof. Villmann auch zu, dass sein mathematisches Verständnis die Phantasie Hollywood oft schlägt. Der Durch-und-Durch Mathematiker hinterfragt bei Filmen dann auch Naturgesetze, die häufig außer Kraft gesetzt werden.

Neben der Mathematik ist Prof. Villmann auch noch amtierender sächsischer Hochschulmeister im Judo und leidenschaftlicher Bergsteiger, und das bis auf Höhen von über 7.500m –  denn mit schwindelerregenden Zahlen kennt er sich aus.

Josefin

Josefin

Studentin im Masterstudiengang Information and Communication Science, 4. Semester

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